







 |
Veranstalter suchen
oder selbst veranstalten |
Um in einem
Konzert auftreten zu können , gibt es im Wesentlichen 2 Möglichkeiten, die
sich sehr stark unterscheiden:
MÖGLICHKEIT 1 :
Veranstalter(in) suchen
Heißt in der Praxis: Ich werbe für mich und
schreibe verschiedene Konzertveranstalter(innen) an. Diese organisieren dann
das Konzert, bezahlen mein Honorar und kümmern sich auch sonst um alles und
sind auch für das Konzert verantwortlich. Oft haben Veranstalter(innen)
Konzertzyklen, z.B. eine Reihe mit Schlosskonzerten, oder ein
Ferienprogramm, wo auch in Zusammenarbeit mit der Tourismusindustrie jeden
Samstag (im Juli
und August) Konzerte veranstaltet werden, oder es handelt sich um ein
Konzertabonnement, in dem jedes Jahr 6 Konzerte angeboten werden. Über
Strategien und Mittel der
Werbung
informiert dieser Link.
Bei allen Versuchen (die
gelegentlich mühsam und durchaus frustrierend sein können)
Veranstalter(innen) zu interessieren, sollten wir versuchen, nicht an das zu
denken, was wir gerne anbieten würden, sondern besser zu erahnen, was
der/die Veranstalter(in) gerne kaufen würde. Wir müssen uns in diesem
Zusammenhang bewusst machen, dass auch ganz kleine Konzertveranstalter(innen)
immense Mengen an Post und Werbung bekommen. Der beste und einfachste Weg,
eigentlich der einzige, der nennenswerte Resultate hervorbringt, ist der des
persönlichen Kontakts. Alle Überlegungen, Veranstalter(innen) zu
interessieren beginnen mit der Überlegung: "Wen kenne ich? Wen kenne ich,
der wiederum gut den/die Veranstalter(in) kennt?". Nur über
persönlichen Kontakt kann man Anliegen transportieren und findet genug
Gehör, um seine Anliegen wirkungsvoll vorbringen zu können. Außerdem erhält
man im persönlichen Kontakt wichtige Informationen, was zum Beispiel
nächstes Jahr geplant ist, oder man kann selber Ideen und Anregungen
einbringen. (Auf Grund dieser Tatsache ist es durchaus empfehlenswert
Kontaktnetzwerke eventuell auch zusammen mit anderen aufzubauen.)
In jedem Fall benötigt man ein
Konzept, das eine Projektplanung voraussetzt. Vorteilhaft ist es natürlich,
wenn unser Programmkonzept gut zu der Veranstaltungsreihe passt, in der wir
spielen wollen. Wenn zum Beispiel das Veranstaltungsmotto "französische
Komponisten" ist, so wird wahrscheinlich ein Programm mit Debussy, Ravel und
Poulenc erfolgreicher sein, als Skrjabin und Janacek. Sinnvollerweise werden
wir diese Dinge nicht dem Zufall überlassen. Wir recherchieren im Internet
und können aus den Konzerten der vergangenen Jahre meistens erkennen, auf
welchem Niveau und mit welchen Programmschwerpunkten jemand arbeitet. Egal,
ob ich eine(n) mir bekannten Konzertveranstalter(in) kontaktiere, oder
eine(n) mir Unbekante(n), wirkliche Chancen auf Realisierung haben
eigentlich nur durchdachte Konzepte.
Sehr erfolgreich sind "unverwechselbare und einzigartige Ansätze". Wir
entwickeln ein Konzertprogramm, das es vorher in der Form noch nie gegeben
hat. Einmaliges ist leichter zu verkaufen als das , was alle machen.
(Siehe Projektdesign )
Dieses Konzept oder Programm eines Konzertes schicken
wir am besten in Briefform mit der Post. (Emails sind zu schnell gelöscht,
außerdem ist die Gefahr groß, dass unser Anliegen von der Software als Spam
betrachtet wird und unsere Zielperson unser Angebot nie zu lesen bekommt.
Weiters funktioniert oft das Öffnen von Attachments schlecht oder unser(e)
Veranstalter(in) hat wenig Computer-Know- how). Eine Woche, nachdem
wir sicher sind, dass unser Brieflein angekommen ist, rufen wir unser Opfer
an und fragen, ob unser Angebot angekommen ist und ob Interesse
besteht.
Die Kombination von
Informationszusendung per Post und nach einiger Zeit Kommunikation per
Telefon hat sich in meiner langjährigen Erfahrung als vielversprechendste
Variante dargestellt.
Sollte der Verweis kommen, dass in dieser Saison keine Möglichkeit mehr
besteht, ist es sinnvoll, gleich nach der nächsten Saison zu fragen, ob es
bestimmte Themenschwerpunkte gibt, wann die Konzerte sind, welche
Möglichkeiten bestehen würden usw.
Schwieriger ist es natürlich, wenn man das Konzert in einem bestimmten oder
sehr engen Zeitrahmen gestalten will. In diesem Fall muss man entweder schon
berühmt sein, was aber leider bei den wenigsten von uns der Fall ist, oder
man kennt den(die) Veranstalter(in) und macht ein Konzert außerhalb
einer Programmschiene. Dann kann man sich im Termin freier bewegen, dafür
ist die Werbung meist weniger effizient. Die Mehrzahl von kleinen
Veranstaltern macht eine kleinere Anzahl von Konzerten (meist 6) und bewirbt
diese zusammen. Das heiß, dass einmal im Jahr in dieser Gemeinde oder in
diesem Umfeld, alle Interessierten eine Zuschrift bekommen, in der alle
Veranstaltungen des Jahres beworben und dargestellt werden und meist gibt es
dabei auch die Möglichkeit, ein bestimmtes Abonnement zu erwerben.
Für uns ist in diesem Zusammenhang natürlich interessant zu wissen, wann
diese oder jene Gemeinde das Konzertprogramm für die nächste Saison
organisiert und wann die Sitzung ist, in der das Programm beschlossen wird.
Diese Insider-Informationen können wir auch aus zweiter Hand bekommen (z.B.
Lehrer an der Musikschule der betreffenden Gemeinde, Kultursektion im
Gemeinderat usw.)
Damit unser Bestreben, Konzerte zu
spielen von Erfolg gekrönt ist, müssen wir auch unseren Marktwert richtig
einschätzen lernen. Wenn wir Veranstalter(innen) bewerben, sollten wir nur
jenen schreiben, die mit Künstlern unseres Ranges arbeiten. Es ist wenig
sinnvoll, als unbekannter Künstler noch im Studium oder gleich nach dem
Studium ohne einen internationalen Preis, ein Engagement bei einem der
Top-Veranstalter anzustreben. Daher die grundsätzliche Frage: Welche
"Preisklassen" gibt es in unserem Beruf eigentlich?
Königsklasse, A-Klasse, A-Liga
Das sind die meist "Musikvereine" genannten Veranstalter, die in den
Kulturmetropolen die namhaften Kulturgrößen einladen. z.B. Musikverein Graz,
Musikverein Wien. Hier erkennen wir sofort bei den Programmen, dass hier nur
die berühmtesten Künstler auftreten. Alfred Brendel spielt Beethovens
Klaviersonaten, Alban Berg-Quartett im Kammermusikzyklus, Wiener
Philharmoniker beim Orchesterzyklus. Je nach Größe der Stadt und ihrer
finanziellen Potenz gibt es große Unterschiede, aber im großen und ganzen
verrichten hier internationale Agenturen ihre Arbeit. Dass hier Künstler
selbst aktiv werden und schreiben, ist eher unüblich.
Festivals, Schlosskonzerte
Diese Veranstaltungen gibt es auf allen "Levels". Ob hier ein Werben Sinn
hat kann man erkennen, wenn man auf die Programme der letzten Jahre sieht.
An den Namen der Ausführenden kann man erkennen, ob es sich um
internationale Berühmtheiten oder um eher weniger bekannte Künstler handelt.
Diese Art der Recherche setzt natürlich voraus, dass man einige Namen auf
den verschiedenen Levels kennt. Wenn nicht, dann geht man am besten nach der
Learning by Doing Methode vor: Den Namen des noch unbekannten Künstlers bei
einer Internet-Suchmaschine eingeben und schon hat man die Homepage oder
andere Informationen zu den Künstlern. Doch aufgepasst, Papier und
Internetseiten sind geduldig: Es gehört durchaus zum üblichen Prozedere,
dass Künstler bei ihren Internetauftritten sich "geschickt" darstellen.
Wenn zu lesen ist: zahlreiche internationale Preise und Auszeichnungen heißt
das oft: keine nennenswerten, denn sonst könnte man sie ja genauer
ausführen. Zahlreiche Konzerte im In und Ausland heißt vermutlich: wenige
Konzerte im Ausland, denn sonst würden sie aufgezählt sein, im Inland im
Umfeld usw.
Wenn Kritiken gefunden werden, zählt die Zeitung mehr als der Inhalt: eine
schlechte Kritik in der Frankfurter Allgemeinen zählt bei weitem mehr als
eine Gute im Kulmblik oder in der Pischelsdorfer Rundschau. Die beste Wahl
bei Festivals sind immer die, die knapp über dem eigenen Marktwert liegen,
denn man will sich ja weiterentwickeln.
Abonnementkonzerte bei kleineren
und größeren Gemeinden
Jede größere Stadt (Markt, Gemeinde) hat einen Abonnementzyklus oder auf
jeden Fall eine Plattform, in der Konzerte stattfinden. Meist bieten diese
einen Mix aus schon (lokal) bekannteren Künstlern und Newcomern an, meist
aus dem geographischem Umfeld. Diese Veranstaltungen sind meist gut besucht,
da im Kulturleben der Gemeinden/ Städte integriert.
Konzerte bei Kulturinstituten im
Ausland
Diese Konzerte bieten eine wunderbare Gelegenheit, Erfahrungen im
Konzertleben zu bekommen.
Das Niveau und der Marktwert der Künstler, die dort spielen, unterscheiden
sich zum Teil gewaltig.
Es gibt Kulturinstitute (eher im Osten Europas), die als Philosophie die
Förderung von Erstauftritten von Künstlern im Ausland haben und fördern
daher Newcomer, die viel versprechend sind. Es gibt aber auch
Kulturinstitute (jetzt Kulturforen genannt), die auf der überprofessionellen
Schiene Konzerte veranstalten und nur das anbieten, was auch die großen
Musikvereine anbieten. Das sind vor allem die Kulturforen, die über
entsprechende Mittel verfügen. (Die sehr großen Millionenhauptstädte eher im
Westen Europas). Hier kann man sich einen Überblick verschaffen:
Auslandskultur beim Außenministerium
www.bmaa.gv.at
Hier erfährt man alles was nötig ist über die kulturpolitisch relevante
Strategie des Außenministeriums.
Hier ist es sinnvoll: Zuerst Hintergrundinfos über die Strategie des
Außenministeriums sammeln, dann zu den diversen Homepages der Kulturforen
gehen und dort die Programmatik studieren, dann erst anschreiben, wenn man
ein passgenaues Konzept anbieten kann. Meist ist hier auch die Förderung der
zeitgenössischen österreichischen Komponisten ein wichtiges Thema
Einzelveranstaltungen in
Gemeinden oder im Umfeld mit Eintritt
Diese werden zumeist von den lokalen Kulturträgern veranstaltet. Ohne
größere Werbung ist es hier schwierig ausreichend Publikum zu
gewinnen. Daher spielt hier der Werbeauftritt eine entscheidende Rolle.
Außerdem sollten die lokalen Zeitungen eingebunden werden, es sei denn,
man(n) / frau hat einen Fan-Club, der groß genug ist.
Einzelveranstaltungen in
Gemeinden oder im Umfeld bei freiem Eintritt
Benefizkonzerte auf lokaler Ebene
Hier handelt es sich meist um kleinere Veranstaltungen von Newcomern, oder
Künstlern, die sich in der Region vorstellen wollen, oder Podiumsroutine
sammeln wollen.
|
www.bmaa.gv.at







 |
selbst veranstalten |
2. Möglichkeit : Selbst
veranstalten
Wenn wir zu einem bestimmten Termin
konzertieren wollen, wenn unsere Suche nach einem Veranstalter ergebnislos
war, oder wenn wir uns profilieren wollen, können wir bei einem Konzert auch
selbst als Veranstalter auftreten. Das hat den großen Vorteil, dass wir
alles selbst bestimmen können, aber auch den Nachteil, dass es mit
erheblichen Kosten und Organisationsaufwand verbunden ist und bei Profis
manchmal im "Geruch" steht, dass man selbst veranstaltet, weil zu wenig
Nachfrage nach unserem künstlerischen Produkt besteht. Manche Künstler
behelfen sich in dem Fall mit Benefizkonzerten, da sie dann nicht selber als
Veranstalter auftreten müssen und dieses Prozedere für das Image besser ist.
Ich denke, dass das durchaus ein gangbarer und vertretbarer Weg ist, aber
nur unter der Voraussetzung, dass die begünstigte Stelle wirklich davon auch
Nutzen (Geld) hat. Wenn man das nicht gewährleisten kann, finde ich es
moralisch/ethisch bedenklich, da man in diesem Fall den guten Namen eines
honorigen Vereins missbraucht.
Hier die ungefähre
Arbeitsreihenfolge:
1., Wunschprojekt ausarbeiten, Zeitplan erstellen
2. geeignete Säle suchen, (geeignet im Hinblick auf die Miete, Akustik und
Größe: Wie viele Leute werden kommen? Anmerkung: ein leerer Saal ist wenig
motivierend)
3., Gesamtkosten projektieren (Saal, Werbung, Personal, Nebenkosten wie
Polizei, Feuerwehr, AKM)
4., Kosten minimieren: Sponsoren suchen, um Subventionen ansuchen (Was kann
man den Sponsoren anbieten? (Werbebanner am Plakat/ im Saal? in der Zeitung?
)
5., nach erfolgter Einnahmen/ Ausgaben- Rechnung entweder Saal wechseln oder
buchen
6., fehlende Werbemittel herstellen (Plakate, Fotos, Programmhefte)
7., Adressdatei ausarbeiten (mit allen eventuell Interessierten, die man
dann anschreiben kann)
8., Werbung organisieren und durchführen (wer hängt die Plakate auf? wie
viele? wo? Zielgruppe? Presse? Radio? Fernsehen? )
9., Kartenverkauf: Kartenpreis festlegen, Verkauf organisieren
10., Personal auftreiben (Technik, Kartenverkauf, Garderobe, Aufnahme)
und neben der ganzen Arbeit nicht verzweifeln und nicht au die eigentliche
künstlerische Arbeit vergessen, was mitunter schwierig ist.
Dann allerdings kann man genau das,
was man machen will, genauso so machen, wie es einem gefällt.
Aber der Aufwand ist enorm, der langfristige Werbeeffekt manchmal gering.
ad4.; Zuerst stehen auch hier wieder
intensive Recherchen. Welche Unternehmen kommen in Frage: Auch hier wieder
wichtig: Für welche Unternehmen bin ich interessant und warum - nicht welche
Unternehmen sind für mich interessant.
Beim Sponsoring muss uns klar sein, dass wir die Arbeit tun müssen. Wenn wir
zu einem Sponsor gehen, müssen wir ihm ein Angebot machen, was wir ihm
bieten sprich verkaufen. Sponsoring ist ein Konzept, in dem wir Leistungen
verkaufen. Wir sollten daher auch nicht als Bittsteller sondern als
Geschäftspartner auftreten, die ein Angebot zu machen haben. Was können wir
einer Firma anbieten?
Werbung: ein Logo am Plakat, ein Logo im Programmheft, Anzeigen im
Programmheft (ist die wichtigste Funktion des Programmhefts, nämlich
Anzeigen unterzubringen), Imagepflege usw.
Vielleicht passt ein Firmenkonzept zu unserem Motto/unserem Konzert
Wenn wir kein schönes Klavier am Konzertort haben, könnten wir z.B. Red Bull
fragen, ob sie uns nicht die Miete für das Klavier bezahlen (Red Bull
verleiht Flügel) usw.
Jedenfalls müssen wir die Gedankenarbeit tun, was die Firma, von der wir
Geld wollen davon hat, wenn sie uns Geld gibt. Zu einem Unternehmen zu
pilgern nur mit dem Wunsch nach Unterstützung funktioniert nicht. Wir
benötigen als Unterlagen für das Sponsorgespräch:
1., ein perfekt durchdachtes Konzept
2., eine Projektmappe, die alle Unterlagen enthält und unser Projekt
hinreichend dokumentiert
(inklusive einer detaillierten und zu diesem Zeitpunkt noch geschätzten
Einnahmen/Ausgabenrechnung)
3., Das ist unser Inhalt des Sponsorbriefes, den wir dann auf die Reise
schicken und
4., so wie immer nach Ablauf einer Woche telefonisch Kontakt aufnehmen und
um einen Termin bitten, um unser Projekt vorstellen zu können.
Früher hat man Sponsoring für Konzerte eher nach dem Prinzip: Kleinvieh
macht auch Mist betrieben
(jede Firma hat halt ein bisschen etwas gegeben, das funktionier heute noch
im ländlichen Raum so)
Heute ist es besser, einen Hauptsponsor zu finden, der nahezu alle Kosten
trägt, aber dafür wirklich ein ganzes Bündel an Leistungen exklusiv erhält.
Links:
Institut für Kulturkonzepte
Fuel4Arts
Kunstsektion Bundeskanzleramt
musicinformation Center Austria
Interessensgemeinschaft Kultur
|