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Bei der Seite "Grundlagen" ist schon ein erster Überblick
über den Ablauf gezeigt. Die Spezialfragen "Konzertvorbereitung" und
"Auftrittsangst" und "Auswendiglernen" werden jeweils auf den entsprechenden
Spezialseiten bearbeitet.
Arbeitstipps für den Einstieg: Wenn Sie das Gefühl haben,
sehr lange zum ersten Erlernen der Noten
zu benötigen und auch sehr schlecht Blattspielen können, dann sind ihre
Fähigkeiten beim Notenlesen unterentwickelt. Auf der einen Seite hilft es
da, neben den Stücken, die schon weiter fortgeschritten sind, immer auch
etwas neu zu lernen, oder auch ein wenig in den Noten zu schmökern. Es ist
in jedem Fall ein Gewinn, sich die Beethoven - oder Mozart-Sonaten (um
irgendein Beispiel zu nennen) aufzuschlagen und die Anfänge zumindest bis
zur Durchführung langsam von den Noten her anzuschauen und zu probieren. Das
kann man ruhig bei einem Stück öfter machen, so lange, bis man eine konkrete
Vorstellung von dem Werk bekommt. Diese Übung, die unbedingt regelmäßig,
also JEDEN Tag gemacht werden sollte, hilft auf der einen Seite, die große
Literatur kennen zu lernen und auf der anderen Seite ist es eine sehr gute
Methode, um das Notenlesen zu verbessern. Die andere Möglichkeit stellt das
gezielte "Vom Blatt spielen" - üben dar. Man nimmt sich Werke, die viele
Stufen im Schwierigkeitsgrad unter dem der eigenen Literatur sind und
versucht diese gleich beim ersten Versuch auch künstlerisch annehmbar zu
spielen. Wenn jemand zum Beispiel schon Chopin Balladen spielt, dann könnten
das 2-stimmige Inventionen sein. Beim Blattspiel ist es wichtig, zuerst
Tonart und Takt/Rhythmus anzusehen, aber auch gleich eine Vorstellung beim
Betrachten des Textes über Tempo und Gestaltung zu bekommen. Erst, wenn das
geschehen ist, beginnen wir zu spielen. Jetzt spielen wir aber so wie bei
einem Kammermusikkonzert. Wenn etwas zuviel ist, oder zu schwer, lassen wir
Töne, gegebenenfalls ganze Stimmen weg, bleiben aber immer in unserem Tempo.
So verbessern wir unsere Qualitäten im Notenlesen und wir lernen nur von den
Noten ausgehend, eine Vorstellung zu entwickeln. |





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Metronom
Melzls Erfindung hat schon sehr früh Einzug in unsere
Übestuben gefunden und zweifelsohne ist das ein gutes Werkzeug zum Arbeiten.
Oft erreichen wir aber mit der Hilfe dieses Werkzeugs nicht den gewünschten
Effekt, im ungünstigsten Fall auch das Gegenteil des gewünschten Effekts.
Sinnvoll eingesetzt wird das Metronom als Kontrollinstrument. Wir spielen
ein Stück, von dem wir nicht sicher sind, ob wir noch die Kontrolle über das
Tempo bzw. die Agogik haben. Wir versuchen das Stück mit allen musikalischen
Finessen, also auch sehr schön zu spielen, aber ohne Agogik. Dazu lassen wir
das Metronom laufen. Wenn wir nun bemerken, dass das Metronom scheinbar
langsamer oder schneller wird, können wir gleich bei diesen Passagen
verweilen, um die entsprechenden Tempokorrekturen zu machen, bzw. die Agogik
zu reparieren. Agogik ist grundsätzlich betrachtet dann gut, wenn es sich um
GEWOLLTE Tempoänderungen handelt. Wenn wir das Tempo aus Gewohnheit ändern
und es nicht mehr bemerken und es daher auch nicht mehr ohne Tempoänderung
spielen können, dann ist eben eine Korrektur angebracht. Hier kann ein
Metronom in der Diagnose und in der Arbeit wertvolle Hilfe leisten.
Wenn wir ein Werk am Anfang noch in viele kleiner Teile zerlegt haben, so
kann es leicht passieren, dass jede dieser Passagen ein anderes Tempo hat.
Wir sollten aber versuchen, jede Passage in demselben Tempo zu erarbeiten.
Auch hier kann ein Metronom die gewünschte Hilfe bieten. Es ist in jedem
Fall aber besser, einen Weg auch ohne diese Maschine zu finden. Im Falle der
verschiedenen Passagen eines Werkes zum Beispiel kann man zwei sehr
temposignifikante Takte vor jede Stelle, die man erarbeitet voranstellen,
damit man das Tempo genau fühlen kann. Mit dem Metronom
ist es so wie mit medizinischen Maschinen, die einem schwerkranken Patienten
das Leben Erlauben. Eine Maschine, die als Herz arbeitet kann lebensrettend
und notwendig sein, für einen Gesunden wäre das unnütz und schmerzhaft. So
ist das Metronom dort richtig am Platz, wo einem der Puls abhanden gekommen
ist. Keinesfalls sollte dieser "Herzschrittmacher" aber länger und öfter
verwendet werden, als notwendig, weil wir sonst unseren musikalischen Puls
durch eine Maschine ersetzen - und das bringt wieder Schaden an unserer
Musik. Wir müssen versuchen, Tempo und Puls aus uns selbst zu entwickeln und
das nicht einer maschine zu überantworten. Manchen Studenten hilft es bei
der technischen Arbeit, sich im Tempo "Zahn für Zahn" im Tempo mit Hilfe des
Metronoms weiterzuarbeiten. Diese Methode kann hilfreich sein, sollte aber
aus oben erwähnten Gründen auch keinesfalls immer angewendet werden. |





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Künstlerische und technische
Arbeit
Wir betrachten unsere Arbeit beim Üben immer mit dem Blick
auf das Konzert und wie wir dorthin kommen mit möglichst wenig Zeit zum
Üben. Denn je weniger Zeit wir für ein Stück verwenden, desto mehr Stücke
können wir studieren und das ist vor allem für Pianisten wichtig, weil wir
so ein großes Repertoire haben sollten. Ganz am Beginn, beim Erlernen eines
Werkes müssen wir uns vorab einen Überblick verschaffen. Aber so früh wie
irgendmöglich arbeiten wir Hand in Hand an den technischen und den
künstlerischen Problemen. Das ist auch deshalb notwendig, da wir
insbesondere im Bereich der Bewegungstechnik viele künstlerische Aspekte in
die Bewegung einbauen. Die Handgelenksführung zum Beispiel sollte den Duktus
einer Linie unterstützen. So sollten wir auf allen Ebenen die Technik mit
der Interpretation verbinden. Technische Reinheit und Perfektion ohne
künstlerischen Ausdruck ist sinnlos, wie Sprache, die nur aus sinnlosen
Silben besteht. Auch ganz am Anfang sollten wir "schön" üben. Das macht mehr
Spaß und es spart Zeit. Auch und gerade ganz am Anfang überlegen wir uns:
Welche Stimme im Akkord ist die lauteste? Wie können wir Differenzieren?
welche Note im Takt ist am lautesten? usw. und alle diesen künstlerischen
Aspekte integrieren wir von Anfang an in unser Spiel. Auch Charakter und
Klangfarbe ist auch bereits a Anfang ein Thema. Selbstverständlich werden
wir am Anfang nicht alle diese Fragen beantworten können, wir werden unsere
Vorstellungen in jeder Hinsicht immer weiter entwickeln, aber zu jeder
Übephase sind diese Fragen wichtig und berechtigt.
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technische Arbeitst
Am Beginn jeder technischen Arbeit steht die Analyse
dessen, womit ich unzufrieden bin, die Diagnose. Es ist wie in der Medizin.
Kein Medikament ist für jede Krankheit geeignet und bei uns ist keine
Arbeitstechnik für jedes Problem geeignet. Daher muss an erster Stelle die
Frage stehen: "Was funktioniert nicht" Wenn es sich herausfinden lässt,
kommt als nächstes die Frage: "Warum funktioniert das nicht" und dann kommt
die Frage: "Welche technische Übung, welcher Mix technischer Übungen kann
hier helfen" (Therapie)
Wenn wir zum Beispiel Probleme damit haben, die notwendige Gleichmäßigkeit
in der Fingertechnik zu spielen. Da können wir sehr langsam und sehr
deutlich aus den Fingern spielen, dann eventuell rhythmisch Verschieben in
die eine und in die andere Richtung, dann eventuell Fingerstacc., dann
schneller und lockerer und auch zunehmend mit Hilfe des Handgelenks und des
Arms, dann noch schneller noch lockerer usw.
Es gibt für jedes Problem auch Übungen, die ungeeignet sind und unser
Problem verschlimmern. Deswegen ist es wichtig uns einen "Vorrat" an guten
Übungen anzueignen und immer versuchen zu überlegen, für welches Problem
diese Übung geeignet sein könnte. Immer muss vor dem Praktizieren von
technischen Übungen die Überlegung sein: was funktioniert nicht? Welche
technische Übung ist daher vorteilhaft?
Nie sollten wir einfach eine Standardübestrategie verfolgen. Und immer
müssen wir beim Prozess des Übens beobachten, ob das gewünschte Resultat
näher kommt. Immer sollten wir dabei beobachten, ob wir locker bleiben, dass
sich keine Verspannungen einstellen und dass keinerlei Schmerzen auftreten.
Immer wenn etwas weh tut, ist die Übung sofort abzubrechen, die Hand zu
lockern und sofort muss wieder gefragt werden: "Warum tut das weh? was mache
ich technisch falsch?"
künstlerische Arbeitstechniken
Wir müssen Technik und Musik zusammenführen. Im
griechischen heißt Technik übersetzt Kunst. Die Technik und die Musik können
keine getrennten Spieler sein, schon gar keine Gegenspieler, es sind immer
die zwei Seiten einer Münze. Die Technik muss sich der musikalischen
Gestaltung immer unterordnen. Wenn wir uns z.B. einen Fingersatz
überlegen ist die erste Überlegung immer: "Unterstützt er die Musik, die
Artikulation, den Fluss, die Oberstimme, das Legato, das Gesangliche usw."
und dann erst soll der Fingersatz auch bequem sein und technisch gut
ausführbar sein. Die Technik ist immer das Werkzeug unserer Musik.
Bei der künstlerischen Arbeit können wir wieder so verfahren, dass wir bei
dem Wiederholen einer Passage immer wieder einen anderen künstlerischen
Aspekt in den Vordergrund stellen. Einmal hören wir auf die Entwicklung
unserer Dynamik, dann hören wir auf die Phrasierung, dann auf die
Klangfarbe, dann auf das dynamische Verhältnis der Stimmen zueinander, dann
auf den Charakter usw.
Wenn wir Schwierigkeiten haben, uns die Musik vorzustellen, können wir uns
überlegen, wie es gesungen klingen würde, wir können die Passage innerlich
singen, oder wenn es sehr viel Stimmen gleichzeitig sind, können wir uns
überlegen, wie wir es instrumentieren würden. Welches der
Orchesterinstrumente würde hier jetzt welche Stimme übernehmen. Wenn wir uns
das überlegt haben, können wir als nächsten Schritt daran gehen, diese
Instrumentierung auf dem Klavier in verschiedenen Klangfarben umzusetzen.
Auch bei der musikalischen Arbeit können wir von Beginn an nicht alles im
Auge behalten, an alles gleichzeitig denken. Das ist auch der wesentliche
Sinn des Übens, dass wir nacheinander die vielen Fragen der künstlerischen
Gestaltung bearbeiten.
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