Gut, zeitsparend und professionell Üben

 

Vorbereitung auf Konzerte

Für Studenten
Grundlagen
Konzertvorbereitung
Auftrittsangst
Technik
Auswendig Lernen

In dem Prozess des Lernens müssen wir einen Zeitpunkt erzwingen, der eigentlich unnatürlich ist, nämlich den Zeitpunkt, an dem unsere Werke im Konzert gespielt werden und dann sozusagen fertig sein müssen. Sozusagen deshalb, weil unsere Werke nie wirklich fertig sind und nicht sein können, da der Prozess der künstlerischen Entwicklung nie aufhört und auch die Arbeit an einem Werk ein ständiger Prozess ist. Gerade weil das so ist, müssen wir zu einem bestimmten Zeitpunkt, der durch den Terminlauf der Konzerte gegeben ist , damit anfangen, Werke zu finalisieren, sie in den bestmöglichen Zustand für ein Konzert bringen. Dafür ist eine eigene Technik des Arbeitens und Übens sehr hilfreich.

Bei Konzerten ist es so, wie bei Spitzensportlern, die sich auf einen Wettkampf vorbereiten. Wenn diese zu den olympischen Spielen fahren, müssen sie am Tag des Wettkampf  in Höchstform sein, nicht 3 Wochen davor, nicht 2 Tage danach. Auch dort werden spezielle Trainingsprogramme aufgebaut, um das zu gewährleisten. Wir beginnen mit dieser Art des Übens am besten 10 Tage vor einem wichtigen Konzert. Bis dahin sollten wirklich alle Stellen fertig sein, die musikalische Konzeption abgeschlossen und die technischen Schwierigkeiten bewältigt. Wenn wir nun das ganze Programm das erste Mal durchspielen, werden wir bemerken, dass es viel schwerer ist, ein ganzes Programm gut zu spielen, als einzelne Werke. Wenn wir die einzelnen Werke spielen, dann können wir uns darauf einstellen, wir haben daran gearbeitet und geübt, Passagen daraus geübt und dann geht es ganz gut. Wenn dieses Werk nun direkt einem anderen folgt, ist es viel schwieriger.

 

Wir müssen also auch das Durchspielen trainieren, wissen aber, dass wenn wir immer nur durchspielen, unsere Werke wieder schlampig werden. So wenden wir folgende Strategie an:

Wir teilen unseren Arbeitstag in drei Blöcke auf.
1., Der erste Block ist ein "normaler" Übeblock. Wir üben vorwiegend langsam und genau, verwenden zwischendurch auch einmal die Noten, um immer wieder zu kontrollieren, ob wir nicht inzwischen Studierfehler eingelernt haben. Wir üben einzelne Passagen sehr genau heraus, vor allem die, die uns schwer fallen oder von denen wir wissen, dass wir dort häufig Fehler machen.
2., Nach einer Pause und nachdem wir uns, wie für ein Konzert kurz eingespielt haben, spielen wir das ganze Programm durch, genauso wie im Konzert. Wir beginnen NICHT zweimal, wir brechen nicht ab und fangen von vorne an, wenn etwas passiert versuchen wir uns bestmöglich hinwegzuretten. Wir spielen genau, wie im Konzert. Das ist deshalb so wichtig, da wir bei genauer Arbeit beim Üben sonst nie das "Überspielen" von Fehlern üben, da wir ja Fehler herausarbeiten. Für das Konzert will aber auch gutes Schwindeln gelernt sein und das muss auch geübt werden. Nie dürfen wir abbrechen, immer muss es weitergehen, koste es, was es wolle. Auch wenn wir einen schlechten Tag haben und nach kurzer Zeit das Gefühl haben, heute geht es gar nicht, dennoch werden wir diszipliniert das ganze Programm durchspielen und nicht abbrechen. Wenn wir eine Vorstellung haben, wie es im Konzertsaal aussieht, ist es sehr günstig, sich mental in diesen Raum zu versetzen und sich das Publikum vorzustellen. Dabei wird bereits häufig Nervosität aufkommen, aber das ist auch gut, denn diese kommt auch beim Konzert und damit muss man umgehen lernen. Wir beginnen mit diesem Vorspieltraining allein und steigern die Anspannung ständig, indem wir zuerst nur für uns spielen und dann mit der Zeit versuchen eine größer werdende Anzahl an Personen zum Zuhören zu finden. Es ist unabdingbar vor Konzerten, das Vorspiel vor Freunden trainiert zu haben. Außerdem nehmen wir dieses Vorspiel auf.
3., Dieser Block darf nicht gekürzt und nicht ausgelassen werden, denn er ist der wichtigste. Alle Passagen, bei denen Fehler passiert sind, bei denen Fehler fast passiert sind, oder wo wir uns unwohl gefühlt haben, oder mit denen wir musikalisch nicht zufrieden waren, müssen nun korrigiert werden. Alles muss repariert werden, was beim Vorspiel passierte. Alles muss perfekt geübt werden, bis man das Gefühl hat, alle Fehler wurden korrigiert. Da wir vorwiegend in der Nacht unsere Gedächtnisinhalte vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis "umschreiben" müssen wir mit dieser nun korrigierten und damit fehlerfreien Variante zu Bett gehen, andernfalls würden auch die Fehler und die Unsicherheiten mit "gespeichert" werden und wir haben dann garantiert beim Konzert damit zu kämpfen.

 

Vom Übepensum wird sich der Arbeitsaufwand mit dieser Methode zum Konzert hin steigern und das ist auch gut so. 3 Tage vor dem Konzert allerdings sollten wir dann unbedingt wieder im Arbeitsaufwand reduzieren beginnen. 1 Tag vor dem Konzert nicht mehr Durchspielen, wenn das die Nerven zu sehr belastet. Am Tag des Konzerts keinesfalls das ganze Programm durchspielen, sondern alle Passagen langsam und sehr genau durcharbeiten, um sie im Gedächtnis zu fixieren. Keinesfalls so viel wie sonst üben. Wenn das Konzert am Abend ist, ist eine Ruhepause (im besten Fall ein kleines Schläfchen) zum Sammeln und Entspannen dringend zu empfehlen. Zum Konzert kommen wir sehr rechtzeitig, um uns und die Veranstalter nicht zu stressen. Wenn es möglich ist sollte Aufstellung des Klaviers, Stimmung, Licht schon in der Probe am Instrument geregelt sein. Sollte es nicht anders gehen und es muss am Abend sein, dann noch früher kommen. Stress ist bei Konzerten genug, wir versuchen alles, um weiteren Stress zu vermeiden.
Die richtige Lichteinstellung bzw. richtige Einstellung von Scheinwerfern wird oft unterschätzt oder übersehen. Es kann im Konzert sehr ablenken, wenn die Tastatur nicht ausgeleuchtet ist, die Tasten furchtbare Schatten haben, oder ein Scheinwerfer ins Gesicht blendet.

Wenn wir das alles befolgt haben, steht nun einem beglückenden Konzert nichts mehr im Wege.

 

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