Gut, zeitsparend und professionell Üben

Grundlagen

Für Studenten
Grundlagen
Konzertvorbereitung
Auftrittsangst
Technik
Auswendig Lernen

Gutes Üben ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zu einem erfolgreichen Pianisten / einer erfolgreichen Pianistin. Die oft gestellt Frage: "Wie viel übst du?" müsste ersetzt werden durch die Frage : "Wie gut übst du?"

Denn rein die Zeit, die bei dieser höchst kreativen und oft schönen Tätigkeit  verstreicht, ist kein Maß für das, was während dieser Zeit vorangeht. Beim Beginn des Lernens an Stücken sollte uns in jeder Phase des Übens klar sein, dass die Qualität am Ende und damit auch das Konzert in erster Linie mit der Qualität des Übens zu tun hat. Die Faktoren wie Lampenfieber und Tagesverfassung werden in dieser Hinsicht meist stark überbewertet.
Der weite Weg vom ersten Erblickens der Noten eines Werkes bis zum Konzert: Jede Phase ist entscheidend. Und wir haben in jeder Phase uns gegenüber eine große Verantwortung, uns, dem Komponisten und unserem Publikum, denn wir betreiben das Klavierspiel nicht als Hobby und so müssen wir während des ganzen Prozesses des Übens versuchen möglichst professionell zu sein.
 

Allgemein
Tonleitern
Terzen
Terzen-Sexten
4. 5.Finger
Übetechniken
Tipps und Tricks
Chopin-Etüden

Um hier die Anregungen in die eigene Übearbeit umsetzen zu können, einige Hinweise und Tipps. Wie auch bei der interpretatorischen Arbeit führt kein Weg daran vorbei, einen eigenen und persönlichen Stil bei der Arbeit zu finden. Alles, was hier geschrieben ist und im Unterricht gesagt wird, sind Wegweiser, die in die richtige Richtung weisen. Den Weg gehen muss jeder selber und jeder wird es auf seine Weise tun. Alle hier erwähnten Beispiele und Übetipps müssen auf ihre Praxistauglichkeit überprüft werden und gegebenenfalls ausgebaut und verändert werden. Ständig sollte man sich fragen: "Bin ich mit dieser Methode gut weitergekommen?" 
"Fühle ich mich mit dem Erarbeiteten wohl und sicher?"
Wenn es besonders gut funktioniert hat mit dem Üben: "Was habe ich anders gemacht, als sonst?" und das Ergebnis muss man sich einprägen
Wenn es besonders schlecht gegangen ist mit dem Üben: "Warum war es jetzt so mühsam? Was habe ich bei der Arbeit falsch gemacht?"
Immer müssen diese Fragen im Hintergrund gestellt werden, denn auf der Basis ihrer Beantwortung muss ständig der Prozess des Übens optimiert werden: Nie  wird man hundert Prozent Effizienz erreichen. Aber man muss es unbedingt versuchen, denn wenn man nicht an der Verbesserung der Effizienz arbeitet, wird sie immer geringer - heißt wir brauchen immer mehr Zeit für immer weniger Ergebnis- und da wir (hoffentlich) alle auch noch etwas anderes als Klavierüben tun wollen, muss uns das immer beschäftigen.

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Der häufigste Fehler beim Üben: Es werden zu große Passagen geübt und es wird zu schnell geübt. Wenn wir die Noten eines Werkes das erste Mal sehen, so ist es für den Anfang sicher gut, sich einmal grob durchzuarbeiten, um zu wissen, in welche Richtung es geht, welchen  Charakter das Stück hat usw.
Aber dann sollte man unbedingt in die Detailarbeit einsteigen. Zu Beginn der Arbeit werden die kleinsten Passagen und das langsamste Tempo gewählt. Wir unterteilen ein Werk in 4-taktige, 8-taktige oder 16-taktige Passagen, je nach Schwierigkeit und Länge der Takte. Dabei ist die richtige Größe einer Passage dann gegeben, wenn wir am Ende einer Passage noch genau wissen, was alles beim Spiel der Passage passiert ist. Welche falschen Noten, welche Töne zu laut usw. Wenn wir am Ende einer Passage uns nicht in jedem Detail erinnern, war die Passage zu groß gewählt. Bei der Übearbeit sollten wir mit uns immer so umgehen, wie wir es von einem perfekten Lehrer erwarten würden. Wir müssen uns fordern, aber nicht überfordern. Wenn wir uns überfordern, dann gaben wir uns selbst das Gefühl, dass wir es nicht können. Wir verlieren Selbstvertrauen und technisch betrachtet gewöhnen wir uns daran, dass wir Fehler machen, daher wird die Qualität schlecht. Wenn wir uns hingegen unterfordern (zu langsames Tempo oder zu kurze Passage) dann wird es langweilig, wir denken nicht mehr richtig mit und es wird schlampig. Tempo und Passagenlänge müssen demnach so gewählt werden, dass wir uns sehr konzentrieren müssen, die Passage in dem Tempo gut zu spielen, aber wir es schaffen können. Die selbstgestellte Aufgabe ist es, innerhalb von nicht viel weniger aber auch nicht viel mehr als 10 Wiederholungen derselben, diese Passage in diesem Tempo zu erlernen. Dann gehen wir zur nächsten Passage, gehen nach dem gleichen Prinzip vor und am Ende spielen wir beide Passagen zusammenhängend.
Nach diesem Muster machen wir aus lauter kleinen Bausteinen immer größere.

 

Dazu ein bisschen Background: Beim guten Erlernen von Teilen eines Werkes geht es darum, unser Wissen vom Ultrakurzzeitgedächtnis bzw. vom Kurzeitgedächtnis dauerhaft zu "speichern", uns also anzueignen. Wir müssen bei diesem Prozess (wie oben in der Praxis beschrieben) bedenken, dass wir nicht uns nicht nur das merken, was erwünscht ist, sondern auch die Fehler, die Angst, Unsicherheit, negative Gefühle usw. mitspeichern. Wir müssen also in jeder Phase der Übearbeit darauf achten, dass wir kontrolliert genug arbeiten (damit auch langsam genug), um in jeder Phase sicher, ohne Angst und ohne Fehler zu trainieren. Die Schlampigkeiten, die wir hier einarbeiten, sowie die potentiellen Fehler, die hier Eingang finden, können nicht oder nur sehr schwer wieder korrigiert werden.
Kontrolliert genug heißt auch immer ein Empfinden und Spielen der Musik "a priori". Wir wissen, was wir spielen wollen, wir wissen, wie es klingen wird und wir wissen, wie es sich anfühlen wird, erst dann bewegen wir den Finger und schlagen den Ton an. Auf jeden Fall zu vermeiden, ist eine Technik "a posteriori", indem wir irgendwie auf die Taste drücken und dann schauen, ob es gestimmt hat. In diesem Fall bleiben wir immer "hinten". Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass wir vorab eine Vorstellung haben müssen, wie es klingen soll und was wir spielen und dann erst die Finger bewegen. Das ist am Anfang sehr anstrengend, aber es erhöht die Qualität entscheidend. In diesem Zusammen gleich zum Auswendiglernen:
Da wir aus dem "Kopf" und aus dem "Herz" spielen wollen und nicht mechanisch von den Noten, ist es vielleicht nicht ganz am Anfang, dann aber  bald empfehlenswert zu versuchen, sich die Noten gut einzuprägen und kleine Stellen schon aus dem Kopf zu spielen. Oder heißt einfacher formuliert: Wir üben langsam genug, um uns das Stück einprägen zu können und nach einigen Wiederholungen schauen wir nur mehr dann auf die Noten, wenn es unbedingt erforderlich ist, am besten gar nicht. Auf diese Art haben wir auch das "Auswendiglernen" ohne zusätzlichen Zeitaufwand in unsere Arbeit integriert.
Wir müssen uns ganz klar des Ziels der Arbeit bewusst sein. Beim Üben geht es nicht darum, den Text so schnell wie möglich auf die Finger und damit aufs Instrument zu bringen, nein Üben ist Kopfarbeit - unser Ziel ist es, den Text in den Kopf zu bringen, das Merken, das "Speichern" ist der Arbeitsprozess. Das braucht am Anfang ein bisschen mehr Zeit, aber wir lernen dann viel schneller. Wenn wir gerade so schnell spielen, um das, was wir auf den Noten sehen umzusetzen, haben wir nicht genug Zeit, uns auch alles perfekt einzuprägen. Wir müssen also langsam genug arbeiten um auch mit Seele und Hirn dabei zu sein, nicht nur mit den Fingern.

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Auf dem weiteren Weg werden nun mit dem Fortschritt unsere Passgagen immer größer und auch das Tempo wird sich steigern. Gleichzeitig mit unserer technischen Arbeit werden wir natürlich auch an allen musikalischen Parametern weiter arbeiten. Auch hier ist es gut, wenn wir eine gewisse Systematik einhalten. Bei der Dynamik werden wir uns ganz am Anfang um die Dynamik innerhalb eines Taktes kümmern. Wo sind die schweren, wo sind die leichten Taktteile, kleines cresc. innerhalb des Taktes usw. Wenn wir in der Arbeit schon weiter fortgeschritten sind, so werden wir uns der Dynamik der Phrase widmen. Die Einteilung der Passagen, die wir arbeiten sollte natürlich auch den Phrasen entsprechen. Hier können wir nun die dynamische Phrasengestaltung erarbeiten, nachdem ja die Mikrostrukturierung der Dynamik im Takt bereits gemacht ist. Hier werden wir also überlegen, was ist der Höhepunkt der Phrase, zu diesem machen wir z.B. ein kleines cresc. von dort weg ein kleines decresc. Mit der Gestaltung der Agogik lassen wir uns Zeit. Dieser musikalische Ausdruck sollte als Letzter erarbeitet werden, damit wir darüber die Kontrolle nicht verlieren.
Wir können bei den meist komplexen Aufgaben, die sich am Klavier stellen nicht immer an alles denken. So sollten wir uns bei jeder weiteren Wiederholung uns auf einen anderen Inhalt konzentrieren. So ist es ratsam, wenn wir eine Stelle z.B. 8 mal wiederholen, um sie zu trainieren, dass wir einmal an die Stimmführung der rechten Hand denken, dann an die linke Hand denken, dann an die Dynamik dann an die Anschlagfarbe, dann ans Pedal und die restlichen Wiederholungen, um es im ganzen zu spielen und zu denken.

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Im weiteren Verlauf, nachdem nun die Stellen immer größer geworden sind, wir diese auch auswendig bewältigen können und die wesentlichen musikalischen Elemente eingefügt und ausgearbeitet wurden, werden wir versuchen, die größeren Teile nun zu einem ganzen Satz oder einem größeren Abschnitt zusammenzufügen. Auch hier ist wieder zu beachten, dass wir immer wieder im Detail arbeiten müssen. Erstens müssen wir immer wieder ins langsame Tempo gehen, um unsere erworbenen Fähigkeiten auch abzusichern und wir müssen immer wieder die einzelnen Parameter überprüfen, ob sie noch unseren Vorstellungen entsprechen (Differenzierung in den Stimmen, Dynamik, Pedal, Klangfarbe, Phrasierung, Artikulation u.a.). Dann gehört es jetzt natürlich dazu, einen Satz oder einen größeren Abschnitt im Ganzen zu spielen. Ratsam ist es hier sicher, öfter die erzielten Resultate aufzunehmen. Beim Abhören kann man sehr gut feststellen, ob das was wir spielen dem entspricht, was wir glauben oder hören. Ständig müssen wir unsere Klangvorstellung weiterentwickeln, aber auch die Kontrolle beim Spiel ist wichtig. Wir werden sehr oft feststellen, dass das, was wir auf der Aufnahme unserer Arbeit hören nicht dem entspricht, was wir gehört haben. So kann man auch die Kontrolle verbessern. Außerdem bietet eine Aufnahme eine gute Basis, um eine exakte Fehleranalyse zu erstellen. Wir können auf Grund der Aufnahme erkennen, an welchen Stellen wir noch arbeiten müssen und was wir genau weiter verbessern wollen. Gutes Üben basiert immer auf der Analyse dessen, was mir noch nicht gefällt und richtet sich immer nach einer auf dieser Basis erstellten  Konzeption. Wenn ich zum Beispiel höre, dass meine Dynamik nicht so ist, wie ich sie hören möchte und spielen möchte, werde ich genau daran arbeiten. Wenn die Technik noch nicht gleichmäßig ist, werde ich genau daran arbeiten und Übungen machen, die genau dieses Problem behandeln. Gutes Üben ist immer genau auf eine bestimmte Problematik zugeschnitten. Auf keinen Fall dürfen wir gedankenlos Wiederholung an Wiederholung reihen. Immer müssen wir ein klares Konzept dessen haben, was wir gerne verbessern möchten und danach muss sich unser Üben richten.

 

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