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Das Genie
Was macht Mozart zum Genie? In der
Musikwelt herrscht breite Übereinstimmung darüber, dass Mozart diese
Bezeichnung verdient. Die große Breitenwirkung wird durch Kinofilme,
Schokoladekugeln mit Marzipanfüllung verstärkt, sowie ein ganzer Mythos im
Wunderkind Mozart verherrlicht, sind doch die ersten Konzerte und
Kompositionen bereits aus dem Jahr 1761 (vermutlich) überliefert, wobei die
Datierungen fraglich sind und die meisten Werke des Frühwerkes nicht aus der
Feder "Wolferls" stammen, sondern von seinem Vater aufgezeichnet wurden.
Vermutlich hatte sie W.A.Mozart am Klavier gespielt oder improvisiert und
Leopold Mozart, der ja für seine Ausbildung zuständig war, hat diese ersten
Werke aufgezeichnet, wobei wir allein wegen diesem Umstand nicht
sicher erkennen können, ob es bereits der Wille des Kindes war, zu
komponieren,. oder ob es sich nur um Skizzen des Vaters handelte, der die
Entwicklung seines Sohnes dokumentieren wollte, wobei sich auch die Frage
stellt, ob in diesem Fall die Kompositionen W.A.Mozarts von Leopold
"geschönt" wurden, also in der Form bereinigt.
War Mozart ein Wunderkind? Daraus wird dann auch oft schon das Genie
abgeleitet. Fest steht, dass Mozart auch musikalisch extrem frühreif war und
seine musikalische Entwicklung rasant schnell- ja unglaublich schnell von
statten ging, aber was bezeichnen wir bei Komponisten überhaupt als
Frühwerk? Bei Beethoven im Prinzip die Kompositionen, die er vor dem 30.
Lebensjahr geschrieben hatte - nun wurde aber Mozart nur knapp 36
Jahre alt, war dann sein Spätwerk ein echtes Spätwerk? bis wann können wir
von Frühwerken sprechen? Auf jeden Fall hatte die musikalische und
humanistische intensive Erziehung und Bildung durch seinen Vater großen
Einfluss. Sicherlich auch günstig für die musikalische Entwicklung von
W.A.Mozart war der Umstand, dass seine Jahre ältere Schwester "Nannerl" eine
profunde Klavierausbildung durch Leopold erhielt und bereits der 4-jährige
Wolferl mit der 8-jährigen Nannerl wetteiferte.
Sicherlich ist es aus dem Blickwinkel der heutigen Wissenschaft notwendig,
alles das als Prozess zu verstehen. Mozart war ein "Genie", ein Wunderkind,
aber auch er ist natürlich einen Weg gegangen und gerade die Kompositionen
KV1 zeigen noch eine sehr rudimentär entwickelte Begabung. Das Schaffen von
W.A.Mozart ist ein unglaubliches Geschenk, ein unglaublich schönes Erbe, das
er uns überlassen hat, doch auch seine Meisterschaft ist nicht vom Himmel
gefallen,. auch sein Genie musste sich entwickeln.
Biographie
1756
Am 27. Januar, 20 Uhr, kommt Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus
Mozart in Salzburg zur Welt. Er selbst bezeichnet sich erst ungefähr ab 1777
als Wolfgang Amade. Auch 1756 erscheint die Violinschule von Leopold Mozart,
die zusammen mit den Werken von J.J. Quantz (Flötenschule 1752) und
C.Ph.E.Bach
(Über die wahre Art das Klavier zu spielen 1753, 1762) zu den
wichtigsten Schriften über Musik dieser Zeit gehört und erstmals methodisch
exakt in die Kunst des Violinspiels einführt, von der Geschichte über
Bogenhaltung, Technik bis hin zur Verzierungslehre. Das bringt uns in die
angenehme Lage genau zu wissen, was undwie W.A.Mozart unterrichtet wurde.
1759
Leopold Mozart legt das "Nannerl-Notenbuch" für den Klavierunterricht
der 8-jährigen Nannerl an, in das dann die ersten Kompositionen von Wolfgang
Amade eingetragen werden. Die ersten Eintragungen in diesem Büchlein sind
aber nicht Kompositionen von W.A. sondern Notizen über sein Klavierspiel,
die uns belegen, das der die Stücke der 8-jährigen Nannerl schon spielen
konnte und das im Alter von 4!, wobei beim Charakter Leopolds nicht von
einer Unterforderung Nannerls ausgegangen werden kann.
1761
Die ersten Kompositionen Wolfgangs entstehen. In das Nannerl-Notenbuch
werden die Kompositionen KV1a und KV1b eingetragen. Wolfgang Amadeus
Mozart trat erstmals am 1. September 1761 öffentlich in Salzburg auf.
1762
Erste Reise von Mozart:
Am 12. Januar 1762 begab sich der Vater erstmals mit seinen „Wunderkindern"
auf eine Kunstreise. Während der dreiwöchigen Reise nach München
konzertierten Wolfgang und Nannerl vor dem Kurfürsten Maximilian III. Joseph
von Bayern.
3720 Tage, fast ein Drittel seines Lebens war Wolfgang Amadeus Mozart auf
Reisen.. Trotz der Unbequemlichkeit der Kutschen reiste er gerne.
Noch im Herbst des Jahres 1762 fuhr die Familie Mozart nach Wien. Am 13.
Oktober erhielt sie ihre erste Audienz bei Kaiserin Maria Theresia. „Der
Wolferl ist der Kayserin auf den Schooß gesprungen, sie um den Halß bekommen
und rechtschaffen abgeküsst", berichtete der stolze Vater seinem Hausherrn
Hagenauer am 16. Oktober in einem Brief. Neben anderen wertvollen Geschenken
erhielten die Kinder je ein Galakleid.
1763/64
Nach der Rückkehr aus Wien wurde Leopold Mozart am 28. Februar 1763 von
Fürsterzbischof Sigismund Christoph Graf von Schrattenbach, der durch seine
Aufgeschlossenheit die Reisen der Mozarts auf großzügigste Weise förderte,
zum Vizekapellmeister ernannt. Wolfgang tritt erstmals als Musiker
öffentlich beim Geburtstag des Fürsterzbischofs auf.
Im Sommer 1763 trat Leopold Mozart mit seiner Familie die große
Westeuropa-Reise an, die sie über Deutschland (In Wasserburge lernte Mozart
am 11.Juni den Umgang mit der Pedalklaviatur der Orgel)- München - Augsburg
- Schwetzingen - Mainz - Koblenz - Köln - Achen, dann weiter über Brüssel
(in Brüssel entsteht die erste nachweisliche Komposition von Wlfgang, deren
Umfang den eines Tanzsatzes übersteigt) nach Frankreich (Paris, Versailles).
Während des Paris-Aufenthaltes erschienen die ersten Kompositionen Wolfgangs
im Druck: die Sonaten für Klavier und Violine KV 6 und 7 für Madame Victoire
de France als op. I sowie KV 8 und 9 für Comtesse Adrienne-Catherine de
Tessé, geb. de Noailles, als op. II. Die Auftritte des Knaben lösten
allseits Staunen und Bewunderung aus.
Am 23. April 1764 traf die Familie Mozart in London ein. Neben vier
öffentlichen Konzerten musizierten die Kinder wiederholt bei König Georg
III. und seiner Gemahlin Sophie Charlotte, geb. Prinzessin von
Mecklenburg-Strelitz, welcher Wolfgang die sechs Sonaten für Klavier und
Violine (Flöte) KV 10-15 zueignete.
1765
Februar/März in London: mehrere Konzerte der Mozart-Kinder. Weiter über
Canterburry nach Den Haag, Amsterdam, Brüssel und wieder Paris.
Weiter über Genf, Zürich und München zurück nach Salzburg, wo die Mozarts am
29.November wieder ankommen.
1766
Kaum in die Heimat zurückgekehrt, entstanden Gerüchte über eine
neuerliche Reise der Familie Mozart. Tatsächlich brachen sie nach nur elf
Monaten in Salzburg nach Wien auf, von wo sie vor der dort herrschenden
Pockenepidemie nach Brünn und Olmütz ausweichen mußten. Dennoch erkrankten
die Kinder schwer. Ende Januar 1768 begann Mozart auf Anregung von Kaiser
Joseph II. mit der Komposition der Opera buffa „La Finta semplice" KV 51
(46a), die auf Grund einer Theaterintrige gegen den jungen Salzburger
Komponisten vermutlich erst im Mai 1769 in seiner Heimatstadt uraufgeführt
werden konnte.
1768
Im Herbst wird das Singspiel Bastien und Bastienne, KV50, das erste Mal
aufgeführt (Wien).
7.Dezember: Einweihung einer Kirche am Rennweg: Eine Messe von Mozart
erklingt.
1769/70
Während seines Salzburg-Aufenthaltes 1769 wurde Mozart unbesoldeter
3.Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle. Allerdings weist Erzbischof
Sigismund zugleich eine größere Summe an, die zur Finanzierung der Reise
diente. Am 13. Dezember traten Vater und Sohn die beschwerliche
"1.Italienreise" an. Ihr Weg führte sie über Verona, Mailand, Florenz und
Rom nach Neapel, wo Wolfgang überall große Triumphe feierte: In Verona gab
Mozart sein erstes Konzert in Italien, in Mailand erhielt er einen
Opernauftrag für die Karnevals-Stagione 1770/1771, die Opera seria „Mitridate,
Re di Ponto" KV 87 (74a), die am 26. Dezember 1770 im Mailänder Regio Ducal
Teatro unter der Leitung des erst 14jährigen Knaben mit großem Beifall in
Szene ging.
- Ludwig van Beethoven wird geboren -
1771
Reisen nach Mailand, Venedig, Padua, Vicenza, Verona, Brescia,
Innsbruck.
Am 15. Dezember 1771 kehrten sie nach Salzburg zurück. Einen Tag später
starb Mozarts Dienstherr und Gönner Sigismund Christoph Graf von
Schrattenbach. Dieser hatte den Mozart zuerst auf diplomatischen Wege die
Türen zu den europäischen Adelshäusern geöffnet und dann die Reisen
finanziert, was sicherlich prägend für Mozart zu dieser Zeit war, zumal er
auf den Reisen auch bedeutende Künstler und Lehrer treffen konnte und damit
seine künstlerische Persönlichkeit weiterentwickeln. Zu Ehren des neuen
Fürsterzbischofs Hieronymus Graf Colloredo wurde Mozarts Serenata dramatica
„Il Sogno di Scipione" KV 126 aufgeführt. Der politische Wandel -
Fürsterzbischof Hieronymus galt als strenger, unnachgiebiger und in
kulturellen Dingen unaufgeschlossener Landesherr - machte sich sehr rasch
dadurch bemerkbar, dass es für die Mozart viel schwieriger wurde, größere
Reisen zu finanzieren, bzw. Freistellungen von der Tätigkeit des
Kapellmeisters zu erhalten.
1772/73
21.August: Mozart erhält eine eigene Besoldung in der Höhe von 150
Gulden als Kapellmeister in Salzburg. Dadurch soll er stärker an den Hof
gebunden werden zumal er auch keinerlei Unterstützungen mehr für seine
zahlreichen Reisen bekommt.
24.Oktober 1772: Aufbruch mit Leopold zu seiner letzten Italienreise.
Nachdem Leopold alles versucht hatte, um für Wolfgang Amadeus eine
Anstellung in der Toskana zu finden, kehren sie nach Salzburg zurück.
Dezember 1773: Mozart komponiert sein erstes Klavierkonzert (KV175)
1776
Die Klavierkonzerte KV238, B-Dur wurde offenbar für einen intimen
Publikumskreis komponiert, alles Sätze schließen im Piano. Obwohl das
Konzert in den Mitteln sehr bescheiden ist und auf äußeren Glanz verzichtet,
kann sich diese Konzert durchaus mit Konzerten seines Freundes Christian
Bach messen.
weiters: Klavierkonzert C-Dur KV246 (Lützow) und Klavierkonzert F-Dur KV242
1777
Komposition des Es-Dur Klavierkonzertes KV271
September: Mozart reist nach München und bemüht sich auch dort vergeblich um
eine Anstellung. Allerdings ist es politisch eine belebte Zeit, in der die
Höfe und damit auch die Kapellen von Bayern und Pfalz zusammengelegt werden.
Daher ist es verständlich, dass es in so einem Umfeld zu keinen
Neueinstellungen von Musikern kommt.
28.August: Wolfgang bittet um Dienstentlassung beim Erzbischof, diese wird
gewährt.
1778/79
am 14.März reist Mozart mit seiner Mutter nach Paris. Sie stirbt am
3.Juli, für Mozart ein fürchterlicher Schicksalsschlag.
Am 17. Januar 1779 wurde Mozart als Hoforganist erneut in den Hofdienst
aufgenommen.
Zwölf Variationen über "Ah, vous
dirai-je, Maman"
1781
Wiederholte Auseinandersetzungen mit dem Fürsterzbischof führten am 8.
Juni 1781 zum endgültigen Bruch mit dem Salzburger Dienstgeber. Mozart
versuchte, in Wien Fuß zu fassen und finanzierte seinen Lebensunterhalt
vornehmlich als Opernkomponist, als Klaviervirtuose mit eigenen
Kompositionen und als Lehrer.
Klaviersonate D-Dur KV 448
Kant schreibt die "Kritik der reinen Vernunft"
1782
Seinen ersten Wiener Opernerfolg erreichte er mit dem am 16. Juli 1782
im Burgtheater aufgeführten Singspiel „Die Entführung aus dem Serail" KV
384. Noch im selben Jahr heiratete er gegen den Willen seines Vaters
Constanze Weber.
Immer wieder versucht er vergeblich an Höfen unterzukommen, in diesem
Jahr beim Erzbischof von Köln, wieder ohne Erfolg.
Im April verschafft Gottfried van Swieten Mozart intensive Einblicke in
das Schaffen von Johann Sebastian Bach. Mozart ist sehr inspiriert und
versucht sich selbst an Fugenkompositionen bzw. an Bearbeitungen vom
Wohltemperierten Klavier für Streichertrio bzw. Streicherquartett. Für die
Feier zur Noblitierung des Salzburger Kaufmanns Haffner schreibt Mozart die
"Haffner-Symphonie" KV 385.
Die Klavierkonzerte A-Dur, KV 414 und C-Dur KV 415 wurden wie Mozart
selbst an seinen Vater schreibt unter einer gewissen Rücksicht auf das
Publikum gestaltet:
"Die Concerten sind eben das Mittelding zwischen zu leicht und zu schwer -
sie sind sehr brilliant - angenehm in die Ohren - Natürlich, ohne in das
Lehre zu fallen - hie und da - Könner und auch Kenner allein satisfaction
erhalten - doch so - daß die nichtkenner damit zufrieden sagen müssen, ohne
zu wissen warum"
Doch gerade beim Betrachten und Anhören des Klavierkonzertes
KV414 müssen wir erkennen, nur ein Genie wie Mozart kann "Leichtes" so
vollendet umsetzen.
1783
17.Juni: Sein Sohn Raimund Leopold wird geboren, stirbt allerdings sehr
bald, während Mozart in Salzburg ist.
Klaviertrio Nr.2 KV 442
1784
Mozart eröffnet das Verzeichnis aller seiner Werke, in das er ab
regelmäßig Eintragungen über seine fertig gestellten Kompositionen macht. Es
beginnt mit dem Klavierkonzert Es-Dur KV 449. Dann folgen die Konzerte KV
450 in B-Dur und KV 451 in D-Dur, die Mozart selbst vorgetragen hat,
wahrend die Konzerte KV459 und Kv 553 in G-Dur für seine Schülerin Barbara
Ployer komponiert wurden. Das Klavierkonzert KV 456 in B-Dur ist für
Theresia Paradis geschrieben gefolgt von dem Klavierkonzert 459 ind F-Dur
und " Zehn Variationen über "Unser
dummer Pöbel meint" aus Glucks "Pilger von Mekka".
Dass dieses Jahr so fruchtbar im Klavierschaffen ist und die Klavierkonzerte
schon so anspruchsvoll sind, liegt vor allem daran, dass Mozart selbst sehr
häufig in den "Akademien" spielte. Er schreibt im Brief vom 3.März 1784,
nachdem er in 38 Tagen 22 Konzerte spielte: "nun können sie sich leicht
vorstellen, daß ich nothwendig Neue Sachen spielen muß -da muß man also
schreiben". Die Konzertpraxis der damaligen Zeit war grundlegend anders als
heute: Heute will das Publikum gerne Vertrautes geniessen, damals war das
immer Neue viel interessanter für die Konzertbesucher, auch diesem Umstand
verdanken wir das reiche Schaffen Mozarts.
am 14.Dezember tritt Mozart der Wiener Freimaurerloge "Zur Wohltätigkeit"
bei.
Schiller schreibt Kabale und Liebe
1785
am 11.Februar spielt Mozart sein neues Klavierkonzert KV 466 in d-moll.
Tags darauf musiziert er mit seinem Vater in Anwesenheit von Joseph Haydn
drei seiner sechs "Haydn-Quartette". Am 12.März spielt er die Uraufführung
des Konzertes KV467 in C-Dur.
16. Oktober: Vollendung des Klavierquintetts in g-moll KV 478
Hauptarbeit in diesem Jahr: die Oper "Le nozze di Figaro"
1786
Das Jahr 1786 war
hauptsächlich der Oper gewidmet: Am 7. Februar wurden in Wien „Der
Schauspieldirektor" KV 486 (Orangerie in Schönbrunn) und am 1. Mai „Le Nozze
di Figaro" KV 492 (Burgtheater) uraufgeführt.
Es entstanden allerdings einige der beliebtesten und häufigst gespielten
Klavierkonzerte des 19.Jahrhunderts in diesem Jahr:
Vorerst noch das "große A-Dur"- Konzert KV 488, das noch in kleiner
Orchesterbesetzung geschaffen wurde, jedoch auch schon den "symphonischen"
Zug der reifen Mozart-Klavierkonzerte trägt, dann das c-moll Konzert KV 491,
das in jeder Hinsicht einen großen Kontrast zu KV 488 darstellt. Von der
Arbeitstechnik gibt es im Konzert 488 kaum Änderungen, es scheint, wie für
Mozart üblich, aus einem Stück seiner Phantasie und Schaffenskraft
entsprungen zu sein, während das c-moll Konzert eine riesig große Anzahl an
Änderungen und Überarbeitungen erforderte, so dass der Eindruck entsteht,
dass Mozart noch während des Notierens im Schaffensprozess war - sehr
unüblich für Mozart.
1.Mai: Uraufführung von "Hochzeit des Figaro"
Als letztes Klavierkonzert in einer Zeit, in der Mozart eine atemberaubende
Dichte an Werken geschaffen hatte, kam noch Ende des Jahres
das Klavierkonzert KV 503 in C-Dur. Berühmtes Kammermusikwerk dieser Zeit:
Das Kegelstadttrio
1787
Mozart reist mit seiner Frau Konstance nach Prag, um persönlich der
Aufführung vom Figaro beizuwohnen, der sehr erfolgreich lief.
Am 28.Mai stirbt sein Vater, Mentor und Lehrer, der auf Mozart bis zu diesem
Zeitpunkt immer großen Einfluss hatte und vor allem in Ausbildung und
Erziehung prägend war.
Im Oktober reist Mozart zur Uraufführung seines "Don Giovanni".
am 7.Dezember wird Mozart als Nachfolger des verstorbenen Christoph
Willibald Gluck zum k + k Kammer-Kompositeur ernannt.
Goethe : Iphigenie auf Tauris, Schiller: Don Carlos
1788
24.Februar: Mozart trägt in sein Werk-Verzeichnis das Klavierkonzert KV
537 (Krönungskonzert) in D-Dur ein, obwohl der Solopart nur skizziert ist.
Das Werk wurde anlässlich der Krönung von Leopold II im Herbst 1789
komponiert.
Goethe: Egmont, C.Ph.E. Bach stirbt
1791
5.Jänner: Vollendung des Klavierkonzertes KV 595 B-Dur, das auf der
Gruzndlage eines älteren Entwurfes für den ersten satz beruht. In der
Besetzung geht es wieder zurück in die Richtung der kammermusikalischen
Besetzung.
Uraufführung der "Zauberflöte" in Wien.
Im Mai wird Mozart stellvertretender, unbesoldeter Kapellmeister zu St.
Stephan in Wien, Mozarts sechstes Kind, Franz Xaver Wolfgang, wird geboren.
Kränklich und von Todesahnung erfüllt, arbeitete Mozart an seinem letzten
Werk - dem unvollendet gebliebenen Requiem KV 626. Am 5. Dezember 1791 um
0.55 Uhr starb Wolfgang Amadeus Mozart im Alter von 35 Jahren in seiner
Wiener Wohnung in der Rauhensteingasse Nr. 8 an „hitzigem Frieselfieber". Am
6. Dezember findet das Begräbnis auf dem Friedhof von St. Marx in Wien
statt.
6.Dezember: Einesgung vor der Kruzifixkapelle de Stephansdoms und Beisetzung
im Sinne der "josephinischen Begräbnisordnung" (in einem Reihengrab vor den
Toren ohne Anwesenheit von Trauergästen)
Uns scheint heute die Beisetzung im "Armengrab" dieses genialen Musikers
unverständlich, doch muss man dazu wissen, das Mozart in unserem Sinn nicht
arm war (in seinen letzten zehn Jahren hatte er ein Einkommen von
umgerechnet ca. 150.000 Euro pro Jahr). Er hatte, und das ist aus seinen
Briefen bekannt, immer wieder Geldnöte, die allerdings aus seinem
verschwenderischen Lebensstil und vermutlich auch aus einer Schwäche zum
Glücksspiel kam, nicht aus einem zu geringen Einkommen.
Und dass er "allein" begraben worden war entsprach dem Usus der Zeit. Nach
der Trauermesse gingen üblicherweise die Menschen nach Hause und der Rest
wurde von Angestellten des Friedhofs erledigt. Es war nicht üblich, den Sarg
zur letzten Ruhestätte zu begleiten.
Auch die Theorie der Ermordung (von Salieri, seinem Neider) von Mozart
scheint aus dem Blickwinkel der heutigen Wissenschaft eher unwahrscheinlich.
Eher wahrscheinlich ist die aus heutiger Sicht unqualifizierte Behandlung
einer schweren Erkrankung, die er schon länger hatte mit einer zu großen
Dosis Quecksilber, dessen Vergiftung seinen Tod verursacht hat.
Freiheit,
Geld und Verschuldung und Reichtum
Hier
prallen die Klischees aufeinander: der verschuldete Mozart im Armengrab, der
reiche selbständige Künstler, der Revolutionär, der sich mit den Fürsten
anlegte und der Bittsteller, der durch halb Europa reiste, um Gehör und
Anstellung zu finden, der Verschwender und der Spieler.
In Wirklichkeit hatte er einen Doppelstatus. Auf der einen Seite war er der
freie und selbständige Künstler, der viele Konzerte auf eigenes Risiko
veranstaltete und so als direkter Vorgänger (die Lebensweise betrachtend)
von Beethoven oder Schubert gesehen werden kann, dennoch, es hat zu dieser
Zeit auch außer Mozart schon Künstler gegeben, die "frei" - also ohne fixe
Anstellung - gelebt haben.
Auf der anderen Seite hat Mozart immer nach einer fixen Anstellung gesucht
und viele Mühen auf sich genommen und viele Reisen, um diese "Freiheit" zu
beenden und wieder in "Sicherheit" arbeiten zu können. Ich sehe in diesem
Aspekt gar nicht so viel Unterschied zur Lebenssituation der Künstler
unserer Zeit.
Es passt
zum romantischen Klischee des Künstlers, dass dieser, um seine Schöpfungen
weiter gedeihen zu lassen, ständig Geld von Mäzenen benötigt und eigentlich
arm und mittellos ist, wenn er dann etwas hat, gibt er es wieder sofort in
Bausch und Bogen aus, denn Künstler sind lebensfremd. Diese Klischee wird
von Mozart wie von keiner anderen historischen Künstlerfigur bedient - doch
war das wirklich so? Aus heutigem Letztstand der wissenschaftlichen
Forschung - NEIN.
Die Bettelbriefe, die erhalten sind, entstammen dem Briefwechsel zwischen
Mozart und seinem Logenbruder Puchberg. Naturgemäß wird ein Bettelbrief
zielgerichtet auf die Bereitschaft des anderen gerichtet sein, Geld zu geben
und eignet sich daher weniger als historisches Dokument. Für Puchberg und
seine Freunde galt Mozart als unbeschränkt kreditwürdig, ein Indiz gegen die
Armut. Die Briefe wurden von Puchberg sozusagen auch als Anforderungsbelege
verwahrt und daher sind sie auch in großer Zahl erhalten und überdecken
viele andere, nicht erhaltene Briefe. Insgesamt hat Mozart außerordentlich
gut verdient und war nach dem Maßstab der damaligen Zeit "reich" und seine
Geldnöte entstanden zum großen Teil wohl auch, wie es für selbständige
üblich ist, aus temporären Zwängen, da ein Komponist das Geld für eine Oper
zu einem bestimmten Zeitpunkt bekommt, aber sehr lange daran arbeitet und
auch sehr lange davon leben muss. Und auch das "Armenbegräbnis" ist im
historischen Kontext betrachtet kein Zeichen für Armut gewesen, sondern die
damals gesetzliche und übliche Form einer Bestattung.
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