Ludwig van Beethoven

 

späte Sonaten  op.101  bis op.111

Leben und Charakter
Das Instrument
frühe Sonaten
mittlere Sonaten
späte Sonaten
Klavierkonzerte
Variationen
Kammermusik
Bagatellen

Einleitung

Was ist eine Sonate? Einfache Frage: Schwierige Antwort:

In ihrer geschichtlichen Entwicklung war die Sonate ab der 2.Hälfte des 16.Jahrhunderts eine mehrsätzige, zyklische Instrumentalform. Die Betonung lag dabei auf INSTRUMENT. Die Sonate ist ein Stück, das nicht gesungen wird, sondern auf einem Instrument gespielt wird (sonare - klingen versus cantare - singen). Man unterschied zwischen der Solosonate, die nur auf einem Solo-Instrument gespielt wurde (meist war es die Violine), aber häufig von einem Generalbass begleitet wurde, und der Triosonate mit zwei Melodieinstrumenten und basso continuo. Die für die Sonatengeschichte von Beethoven relevante Geschichte beginnt allerdings erst in der frühklassischen Zeit. Diese frühe Sonate waren zumeist in freier Reihungsform gestaltet, ein Hauptthema war vorherrschend. Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Sonate Laufe ihrer Geschichte eine so große Anzahl an verschiedenen Formen ausgeprägt hat, dass es sehr schwer ist, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, die man nur bei der Sonate nicht aber auch bei einer anderen Form finden kann. Erst 1840, als die Sonate im klassischen Sinn eigentlich schon tot war, rühmte sich Czerny,  eine treffende Beschreibung der Sonate gefunden zu haben. Sonate ist nicht so sehr eine Technik, oder eine strenge Form, sie ist vielmehr Kompositionsweise, ein gewisser Gleichklang in Proportion, Textur und Harmonik.
z.B. ist der Dualismus zwischen dem Hauptthema und dem Seitenthema eine Formsprache der Sonate, eine Möglichkeit der Entwicklung, nicht Bedingung - bei Haydns Zeitgenossen erschien ein zweites Thema nicht wünschenswert. Bei Carl Philipp Emanuel Bach finden wir vielerlei Sonaten, darunter welche ohne vollständige Durchführung, mit stark verkürzter Reprise usw. Auch im Vergleich der Sonatenformen von Beethoven und Mozart sehen wir die Spannweite der kompositorischen Möglichkeiten, oder auch wenn wir die ersten Sonaten von Beethoven mit op.101, op.106 oder 111 vergleichen.
Beim Vergleich der Hauptvertreter dieser Gattung, erscheint Beethovens Sonatenform der Haydns näher als der Mozarts, was sich zum einen daraus ableitet, dass Haydn sein Lehrer war und die Sonaten op.2 auch ihm gewidmet sind. (Im September 1795 wurden in Anwesenheit von Haydn die Sonaten op.2 beim Fürsten Lichnowsky erstaufgeführt.) Auch in der grundlegenden Ästhetik unterscheiden sich die Sonaten von Mozart und Beethoven schon im Ansatz. Mozart propagiert noch eine Ästhetik, die nie gewisse Grenzen überschreiten darf, damit seine Kunst "niemals das Ohr beleidigen möge". Der Wohlklang, das Wohlgefallen, das Schöne stehen beherrschend im Vordergrund. Bei Beethoven entwickelt sich das Prinzip der Sonate zum Kampfplatz, auf dem der Widerstreit der Prinzipien ausgetragen wird: Die Exposition enthält die Gegenüberstellung der thematischen Energien, in der Durchführung ist Platz für das Drama des Aufeinanderprallens dieser Energien und in der Reprise gibt es nicht nur Wiederholung, sondern auch einen neuen Betrachtungswinkel. Heftige Eruptionen (Akzente) begleiten diese Prozesse. Von Beethovens eigener Spielweise wird immer wieder berichtet, dass er zwar technisch meisterhaft spielte, auch einen wunderschönen und großen Ton hatte, auch extrem ausdrucksvoll spielte, aber auch brutal gelegentlich. Das bringt seinen starken Willen zum Kontrast, zur Dramatik , zur Entwicklung zum Ausdruck. Man darf auch nicht vergessen, dass es Beethoven war, der die Sonate überhaupt in die Öffentlichkeit brachte. Die Sonaten waren bis dahin für den Hausgebrauch oder auch zum Unterricht gedacht, weniger für große Konzerte. Beethoven brachte die Form der Sonate ab 1792 in seinen Wiener Konzerten einem großen Publikum näher und rückte damit diese Form in das Zentrum der Musikrezeption.

Üblicherweise werden die 32 Sonaten von Beethoven in 3 Perioden unterteilt. Vieles spricht dafür unter anderem, dass Beethoven seinem ersten Biographen Anton Felix Schindler selbst einen Hinweis in dieser Sache gab.
Liszt hatte die drei Phasen "làdolescent, l`homme, le dieu" bezeichnet. Kraftvolle und virtuose Musizierlust in der ersten Periode, geprägt noch vom Einfluss seines Lehrers Joseph Haydn, bald aber eine vollständig eigene Formensprache findend, die Sonaten in ihrer Form bis zur Vollendung gebracht, die ersten "romantischen" Elemente in der zweiten Phase, und in der dritten ab op.101 macht er das, was alle Genies machen, er löst das, was er zur höchsten Blüte gebracht hat, selbst auf, die Sonatenform. Die Spätwerke sind geniales Vermächtnis und gleichzeitig Tabubruch in der Form - sie sind die Quintessenz des Sonatenschaffens, sie gehen über das Bestehende hinaus, in Form und Qualität und gehören so zu den schönsten und größten Werken der Musikgeschichte, die jemals geschaffen wurden.
 

 
   
   
   
   
 

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