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Einleitung
Was ist eine Sonate? Einfache Frage:
Schwierige Antwort:
In ihrer geschichtlichen Entwicklung
war die Sonate ab der 2.Hälfte des 16.Jahrhunderts eine mehrsätzige,
zyklische Instrumentalform. Die Betonung lag dabei auf INSTRUMENT. Die
Sonate ist ein Stück, das nicht gesungen wird, sondern auf einem Instrument
gespielt wird (sonare - klingen versus cantare - singen). Man unterschied
zwischen der Solosonate, die nur auf einem Solo-Instrument gespielt wurde
(meist war es die Violine), aber häufig von einem Generalbass begleitet
wurde, und der Triosonate mit zwei Melodieinstrumenten und basso continuo.
Die für die Sonatengeschichte von Beethoven relevante Geschichte beginnt
allerdings erst in der frühklassischen Zeit. Diese frühe Sonate waren
zumeist in freier Reihungsform gestaltet, ein Hauptthema war vorherrschend.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Sonate Laufe ihrer Geschichte eine so
große Anzahl an verschiedenen Formen ausgeprägt hat, dass es sehr schwer
ist, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, die man nur bei der Sonate nicht aber
auch bei einer anderen Form finden kann. Erst 1840, als die Sonate im
klassischen Sinn eigentlich schon tot war, rühmte sich Czerny, eine
treffende Beschreibung der Sonate gefunden zu haben. Sonate ist nicht so
sehr eine Technik, oder eine strenge Form, sie ist vielmehr
Kompositionsweise, ein gewisser Gleichklang in Proportion, Textur und
Harmonik.
z.B. ist der Dualismus zwischen dem Hauptthema und dem Seitenthema eine
Formsprache der Sonate, eine Möglichkeit der Entwicklung, nicht Bedingung -
bei Haydns Zeitgenossen erschien ein zweites Thema nicht wünschenswert. Bei
Carl Philipp Emanuel Bach finden wir vielerlei Sonaten, darunter welche ohne
vollständige Durchführung, mit stark verkürzter Reprise usw. Auch im
Vergleich der Sonatenformen von Beethoven und Mozart sehen wir die
Spannweite der kompositorischen Möglichkeiten, oder auch wenn wir die ersten
Sonaten von Beethoven mit op.101, op.106 oder 111 vergleichen.
Beim Vergleich der Hauptvertreter dieser Gattung, erscheint Beethovens
Sonatenform der Haydns näher als der Mozarts, was sich zum einen daraus
ableitet, dass Haydn sein Lehrer war und die Sonaten op.2 auch ihm gewidmet
sind. (Im September 1795 wurden in Anwesenheit von Haydn die Sonaten op.2
beim Fürsten Lichnowsky erstaufgeführt.) Auch in der grundlegenden Ästhetik
unterscheiden sich die Sonaten von Mozart und Beethoven schon im Ansatz.
Mozart propagiert noch eine Ästhetik, die nie gewisse Grenzen überschreiten
darf, damit seine Kunst "niemals das Ohr beleidigen möge". Der Wohlklang,
das Wohlgefallen, das Schöne stehen beherrschend im Vordergrund. Bei
Beethoven entwickelt sich das Prinzip der Sonate zum Kampfplatz, auf dem der
Widerstreit der Prinzipien ausgetragen wird: Die Exposition enthält die
Gegenüberstellung der thematischen Energien, in der Durchführung ist Platz
für das Drama des Aufeinanderprallens dieser Energien und in der Reprise
gibt es nicht nur Wiederholung, sondern auch einen neuen Betrachtungswinkel.
Heftige Eruptionen (Akzente) begleiten diese Prozesse. Von Beethovens
eigener Spielweise wird immer wieder berichtet, dass er zwar technisch
meisterhaft spielte, auch einen wunderschönen und großen Ton hatte, auch
extrem ausdrucksvoll spielte, aber auch brutal gelegentlich. Das bringt
seinen starken Willen zum Kontrast, zur Dramatik , zur Entwicklung zum
Ausdruck. Man darf auch nicht vergessen, dass es Beethoven war, der die
Sonate überhaupt in die Öffentlichkeit brachte. Die Sonaten waren bis dahin
für den Hausgebrauch oder auch zum Unterricht gedacht, weniger für große
Konzerte. Beethoven brachte die Form der Sonate ab 1792 in seinen Wiener
Konzerten einem großen Publikum näher und rückte damit diese Form in das
Zentrum der Musikrezeption.
Üblicherweise werden die 32 Sonaten
von Beethoven in 3 Perioden unterteilt. Vieles spricht dafür unter anderem,
dass Beethoven seinem ersten Biographen Anton Felix Schindler selbst einen
Hinweis in dieser Sache gab.
Liszt hatte die drei Phasen "làdolescent, l`homme, le dieu" bezeichnet.
Kraftvolle und virtuose Musizierlust in der ersten Periode, geprägt noch vom
Einfluss seines Lehrers Joseph Haydn, bald aber eine vollständig eigene
Formensprache findend, die Sonaten in ihrer Form bis zur Vollendung
gebracht, die ersten "romantischen" Elemente in der zweiten Phase, und in
der dritten ab op.101 macht er das, was alle Genies machen, er löst das, was
er zur höchsten Blüte gebracht hat, selbst auf, die Sonatenform. Die
Spätwerke sind geniales Vermächtnis und gleichzeitig Tabubruch in der Form -
sie sind die Quintessenz des Sonatenschaffens, sie gehen über das Bestehende
hinaus, in Form und Qualität und gehören so zu den schönsten und größten
Werken der Musikgeschichte, die jemals geschaffen wurden.
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