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Das Wohltemperierte Klavier

ENTSTEHUNG

Band 1

Wie so vieles bei Bach liegt auch die Entstehungsgeschichte im Dunkeln. Auf jeden Fall hat sich die Arbeit am WK1 über einen längeren Zeitraum erstreckt. Die Reinschrift des WK1 ist datiert mit 1722. Bis zum Jahre 1740 wurde diese 3 mal korrigiert und revidiert. Die Veränderungen waren aber eher Korrekturen, denn Erweiterungen. Im Laufe des Arbeitsprozesses wurden die Präludien (vor allem bis g-moll) ständig weiterentwickelt und vergrößert.
Deutlich ist hier die Absicht zu erkennen, das Präludium als ebenbürtigen Teil der Fuge darzustellen und nicht als "Vorspiel", das improvisatorisch zur Fuge hinleiten soll. Präludium und Fuge sind gleichberechtigte Teile geworden.

Originaler Titel: „...zum Nutzen und Gebrauch der Lehrbegierigen Musicalischen Jugend, alsauch derer in diesem studio schon habil seyenden besonderen Zeitvertreib aufgesetzt und verfertigt - es ist also als Lehr und Lernwerk für Schüler und Wissende.

Band 2

Hier ist die Quellenlage noch schwieriger. Eine Letztfassung oder korrigierte Reinschrift ist vom WK2 nicht vorhanden, vermutlich weil Bach sehr intensiv mit der Fertigung der "Kunst der Fuge" beschäftigt war. Zu unserer heutigen Ausgabe wurden viele Quellen zusammengefasst. Die Entstehungszeit des WK2 wird mit 1740/1742 (1744) angenommen.

Das Präludium

Ist ein einleitendes instrumentales Vorspiel ohne feste Form. In der Entwicklungsgeschichte wurde das Präludium vorerst ganz frei improvisiert und diente sozusagen dem Kennlernen des Instruments und dem Einspielen auf Raum und Instrument. In der weiteren Entwicklung hat es dann immer mehr an Bedeutung gewonnen, bis es bei Bach jetzt als gleichwertiger Partner neben der Fuge steht.
Wie oben bereits erwähnt, hatte allerdings auch Bach bei den ersten Entwürfen zum Wohltemperierten Klavier noch kürzere Präludien vorgesehen, diese dann aber sukzessive ausgebaut. Auch lässt sich im WK1 die Entwicklung der Präludien erkennen. Sie werden immer selbständiger und formenfroher.

Die Präludien sind im Gegensatz zu den Fugen keinen Bau- und Formvorschriften unterworfen, daher auch verschieden in Form und Gestalt.

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FUGE

ist die gesetzmäßig am strengsten gebaute Form des mehrstimmigen kontrapunktischen Satzes, bei der das gleiche Thema von jeder Stimme nacheinander ausgeführt wird. Eine Stimme beginnt allein mit dem Thema als Dux (Führer, Subjekt) in der Grundtonart, der Tonika. Sobald es beendet ist, nimmt eine 2.Stimme das Thema in der Dominante als Comes (Gefährte, Antwort) auf, - ist die Antwort transponiert aber intervalltreu, nennt man sie reale Beantwortung, werden die Intervalle verändert (häufiger),  tonale Antwort -  während die 1.Stimme einen freien Kontrapunkt (Gegensatz, Kontrasubjekt) dazu entwickelt. Dann tritt die 3.Stimme mit dem Thema wieder in der Tonika ein, die 2.Stimme nimmt den Gegensatz auf, und die 1. wird frei weitergeführt. Haben sämtliche Stimmen das Thema vorgetragen, so ist die erste Durchführung (Exposition) beendet, auf die weitere folgen können.

In der Exposition ist darauf zu achten, dass der Durchlauf aller Stimmen klar und verständlich ist. Der Zuhörer muss erkennen können, wie viele Stimmen die Fuge hat und muss sich in der Exposition in die Themengestalt einleben können. Daher müssen bei der Exposition alle Stimmeneinsätze deutlich gestaltet sein und in Artikulation und Gestaltung sehr ähnlich, damit man die Konstruktion erkennen kann. Nachdem alle Stimmen einmal gespielt wurden, ist die Exposition (1.Durchführung) zu Ende. Meist folgt nun ein kleines Zwischenspiel oder es reiht sich schon die 2.Durchführung daran. Ab hier wird die Satzweise kunstvoller, es werden Engführungen,  Umkehrungen, Verkleinerungen, Vergrößerungen, neue motivische Aspekte, Variationen, motivische Arbeit  usw. dargestellt und so haben auch wir als Interpreten hier nun die Möglichkeit, unseren Einfallsreichtum unter Beweis zu stellen und Variationen in Klangfarbe, Artikulation und Dynamik anzubringen um dem Ideenreichtum des Komponisten auch gerecht zu werden.

 

Temperiert  - Wohltemperiert - Stimmung

Ausgangspunkt des abendländischen Tonsystems ist die Obertonreihe (abgeleitet aus der Teilung einer aufgespannten Seite, dem Monochord), oder auch aus den Obertönen, die sich beim Überblasen etwa eines Horns ergeben. In beiden Fällen wird die Anzahl der Schwingungen des Grundtons verdoppelt, z.B. a1 440Hz a2 880Hz e3 1320Hz also 440,  440 mal 2,  440 mal 3 usw.. Daraus ergeben sich folgende Schwingungsverhältnisse:

1:2  Oktave      2:3 Quinte      3:4 Quarte      4:5 große Terz      5:6 kleine Terz

  Rein mathematisch gesehen komme ich durch alle Töne der Chromatik (den Obertönen folgend). C-C-g-d-a-e-h-fis-cis-gis-dis-ais-eis-his=c
Leider stimmt diese Überlegung nur rechnerisch, nicht praktisch. Denn um das Verhältnis 73:74 geht sich die ganze Geschichte nicht aus. Das nennt man das pythagoräische Komma. Oder anders gesagt, jedes Intervall ist zwar wunderschön und rein, aber mit dieem Tonmaterial kann man nur einstimmig singen. Die meisten Mehrklänge klingen ganz falsch. So gab es eine Reihe von Versuchen, das Tonmaterial so auszugleichen, dass man damit mehrstimmig spielen kann.

MITTELTÖNIGE STIMMUNGEN

Im 16. und 17. Jahrhundert dominierten Stimmungen, die wir mitteltönig nennen, weil die beiden unterschiedlichen Sekunden aus der Obertonreihe (8:9 und 9:10) angeglichen wurden. Der Ganzton liegt nun genau in der Mitte der großen Terz = mitteltönig.  Auf diese Art konnte man in vielen Tonarten rein spielen. Die große Terz, der aus verschiedenen Gründen die größte Bedeutung zukam, war rein - allerdings nur bei Tonarten mit wenigen B - oder Kreuzvorzeichen. Die Tonarten mit viel Vorzeichen klangen furchtbar falsch und waren daher nicht spielbar.
Auf diese Art ergab sich allerding die "Tonartencharakteristik". Jede Tonart hatte einen anderen Charakter, auch eine andere Stimmung und war damit auch ohne absolutes Gehör erkennbar. Das Intervall gis-es war allerdings so falsch, dass es völlig unspielbar war, was jegliche Modulationen behinderte. Dieses Intervall nannte man, weil es so falsch war die "Wolfsquinte".

TEMPERIERTE STIMMUNGEN

Um die "Wolfsquinte" - siehe oben zu vermeiden, hat man nun versucht, das pythagoräische Komma mehr oder minder gleichmäßig auf alle Intervalle zu verteilen und somit alle Tonarten spielbar zu machen. Solche Stimmungen nennt man temperiert. Einer der ersten, der solche Stimmungen entwarf war Andreas Werckmeister. Nun war die Voraussetzung geschaffen, um so wie beim Wohltemperierten Klavier, in allen Tonarten spielen zu können.
Welche Stimmung Bach genau gelegt hat, wissen wir nicht. Bekannt ist nur, dass er diesem Kapitel größte Bedeutung beigemessen  hat und deswegen seine Instrumente immer selbst gestimmt hat.

DAS  INSTRUMENT

Schon von seiner Bestimmung her, ist das Wohltemperierte Klavier nicht vorwiegend oder gar nicht für den Konzertgebrauch gedacht gewesen. Es war zum Studium für Schüler und zum Genießen für Könner konzipiert. Aus diesem Grund ist es nicht für das große Konzertcembalo, was man auch daran erkennen kann, dass im WK fast jegliche dynamische Vorschriften fehlen. Vermutlich ist dieses Werk für das Clavichord konzipiert.

 

 

Textfeld: CLAVICHORD

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Saiten verlaufen von den Stimmnägeln  über einen Steg, der sich auf dem Resonanzboden befindet, zu Befestigungsschrauben am linken Ende des Kastens. Auf dem hinteren Ende jeder Taste ist ein kleines, aufrecht stehendes Metallblatt, die so genannte Tangente, angebracht. Spielt man die Taste,  so wird die Tangente angehoben und schlägt die Saite an, wobei sie einerseits diese in Schwingung versetzt, andererseits als Bund wirkt, d. h. als Begrenzung des zwischen Tangente und Steg schwingenden Saitenabschnitts fungiert. Links von der Tangente werden die Schwingungen der Saite durch einen Stoff- oder Filzstreifen abgedämpft, der nahe der Befestigungsschrauben zwischen die Saiten geflochten ist. Wird die heruntergedrückte Taste losgelassen, so dämpft der Stoffstreifen die gesamte Saite, und der Ton erklingt nicht mehr. Der Spieler kann beim Clavichord den Ton beeinflussen, vor allem durch seitliches Bewegen  des Fingers, wobei ein als Bebung bezeichnetes Vibrato entsteht. Die frühen Instrumente waren so genannte gebundene Clavichorde: Tangenten für zwei, drei oder vier Tasten wurden an unterschiedlichen Stellen entlang derselben Saite platziert. Bei diesen Instrumenten konnte nicht jede Tastenkombination gespielt werden. Später baute man das so genannte ungebundene (oder freie) Clavichord, bei dem ein und dieselbe Saite durch mehrere Tasten zum Klingen gebracht wird. Das typische Clavichord des 18. Jahrhunderts hat einen Tonumfang von fünf Oktaven
 

Foto: Clavichord Mechanik                  Foto: Clavichord Mechanik 2

Foto1 : Clavichord                               Foto 2 : Clavichord

Foto3 : Clavichord                               Foto 4 : Clavichord

Foto 5 : Clavichord                              Foto 6 : Clavichord
 

   
 

WK 1.Band

D-Dur

Präludium : im Schwierigkeitsgrad relativ einfach und auch in der Struktur sehr einfach gebaut. Gehört zu der Gruppe der so genannten Klangflächenpräludien (trotz seiner motivgeprägten Zweistimmigkeit), da sich die Konstruktion streng auf ein harmonisches Gerüst stützt, wobei die Figurationen in Sechzehnteln in der rechten Hand diese Harmonien darstellen bzw. umspielen. (Artikulation: leggiero, quasi non legato, sehr durchsichtig, hell und sehr leicht)
Um ein dynamisches Konzept zu entwickeln ist es u.U. hilfreich, nur das harmonische Skelett zu spielen. (Am besten die Achteln links und in der rechten Hand immer die ersten 2 von 4 Sechzehntel zusammen dazu)
Daraus kann man sehr leicht erfühlen, wann sich die Musik verdichtet bzw. spannt  (cresc.) oder wo sie wieder entspannt (decresc.). In der linken Hand ist meist die erste und dritte Achtel schwer, die zweite und vierte leicht. Dynamisch vorerst zweitaktig (ein Takt cresc., nächster decresc.) In der letzten Zeile nach dem verminderten Septakkord, der durchaus mit großer Geste gestaltet werden kann, sind die 32tel frei zu gestalten. Die letzten zwei Takte wieder in der Taktzeit (eventuell frei im Arpeggio, nicht nur auf der ersten Viertel)
Fuge: Das Thema besteht aus einer 32tel - Schleuderfigur, die in die Text einspringt. Die Struktur ist wenig verschachtelt und daher leichter zu beherrschen als andere Fugen. Der Rhythmus erinnert sehr an den der französischen Ouvertüre und legt daher die Doppelpunktierungen nahe, was aber z.B. ab Takt 9 nicht sinnvollerweise durchgehalten werden kann (hier bietet sich lyrischer Charakter und normale Punktierung an). Man kann also nur entweder den notierten Rhythmus das ganze Stücke durchhalten, oder man verwendet das Element der franz. Ouvertüre (also die quasi Doppelpunktierung) - aber nicht überall.
Glenn Gould, extravagant wie immer mischt sogar innerhalb eines Taktes (4.Viertel normal punktiert, die anderen französisch, oder sogar links gerade, rechts französisch zur selben Zeit und damit auseinander. - nicht zur Nachahmung empfohlen.
Sviatoslav Richter: bewundernswert streng wie immer spielt alle in normaler Punktierung.
Andras Schiff: im Präludium sehr kurze stacc.-Bässe. In der Fuge sehr stark punktiert, also sehr französisch, in den lyrischen Takten
 z.B. ab 9 lyrisch und gerade in der Punktierung.
Ich finde diese Gestaltung der Punktierungen (Schiff) musikalisch sehr nachvollziehbar und empfehlenswert.


 

 
     
 

E-Dur

Präludium: Der Satz des Präludiums ist dreistimmig, wenn auch die dritte Stimme (vermutlich auch wegen besserer Spielbarkeit) gelegentlich aufgegeben wird. Das Präludium ist dreiteilig. Hauptteil bis T8- Modulation in die Dominante H bis T14 - dann Reprise in der Subdominante A. Im Charakter leuchtend und von wundervoller Anmut, ruhig und samtig aber doch hell und klar im Ton. Artikulation ganz leicht in 3  und 3, nahe am legato. Leichtes Pedal, das aber nie die Linien verwischen darf.
Fuge: Das Thema besteht aus 14 Tönen (siehe Zahlenmystik) und aus 28 Takten (2 mal 14) plus dem Takt mit dem Schlussakkord.
Der Charakter ist von feurigem Temperament, das eine kraftvolle Brillianz des Vortrages erfordert.
Formale Gliederung: Teil A: Exposition T1-4, 5-6 Zwischenspiel, 2.Durchführung (T7-10) Modulation nach cis
Teil B: T11-19 Mittelteil in der Tonikaparalelle cis-moll, ineinanderrankende Zwischenspiele
Teil C: zwei Durchführungen in der Grundtonart ab T19