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Die Partiten

Die Suiten bei Johann Sebastian Bach sind in drei Zyklen zu je 6 Suiten komponiert.
Die französischen Suiten sind die klein und übersichtlich organisiert, musikalisch und technisch am einfachsten zu bewältigen.
Größer und reicher in Form und Gestalt die englischen Suiten, denen ein jeweils ein großes Präludium vorangestellt, das nahezu zum Zentrum der Suiten wird.
Die Partiten sind die größten und reifsten Suiten, die Bach geschaffen hat, sind auch von der Entstehung her als letzte entstanden.

In jeder Suite finden wir deren Kernsätze: Allemande, Courante, Sarabande, Gigue

Allemande: (wörtlich: deutscher Tanz), ist ein ruhiger, fließender Schreittanz im 4/4 Takt, der meist in Sechzehntel ausgeführt ist.
Courante: bewegter Springtanz im 3er Takt. Typische Verschränkung von
2 mal 3 und 3 mal 2 Taktzeiten, um das Moment der Unruhe auszudrücken.
Sarabande: stammt von einem spanischen Paartanz ab, der aber von der Inquisition verboten wurde, da er zu erotische Bewegungen enthielt.
Bei Bach langsamer 3/4 Takt, der mit seinem Vorbild im Sinne des Tanzes nur mehr wenig gemeinsam hat. Sarabande hat die Sarabande zum zumeist sehr freien lyrischen Teil entwickelt. Noch hörbar: auf der 3 erfolgte kein Tanzschritt und auch hörbar: Verneigungsschritt zur 2.
Gigue: Am Schluss die lustige, schnelle, aus elisabethanischen England kommende Gigue im 6/8 oder 12/8. Sie ist Schauplatz schneller und kunstvoller Kontrapunktik.

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weiter Sätze der Partita

Diese 4 in jeder Suite vorkommenden Teile wurden durch weitere ergänzt und damit aufgelockert:

Präludium: Der erste Teil wird auch bei den Partiten von einem Präludium eingeleitet. Dieses ist allerdings weniger zentral als bei den englischen Suiten und unterstreicht damit die Einheit des ganzen Werkes.
Um den Farbenreichtum der Möglichkeiten anzuzeigen heißt der erste Teil bei jeder Suite anders. ( Bei der ersten Präludium, dann Sinfonia, dann Fantasia, Ouverture, Praeambulum und zuletzt Toccata. Eigentlich sind aber alle diese einleitenden Teile Präludien.)
Menuet: französischer Gesellschaftstanz im 3/4 Takt. Immer in folgender Form zu gestalten: Menuett mit allen Wiederholungen, dann Trio mit allen Wiederholungen, anschließend Menuett da capo ohne Wiederholungen.
Rondeau: aus dem französischen kommende Refraindichtung. Vermutlich handelte es sich ursprünglich um die gesangliche Begleitung zu einem Rundtanz mit einem Wechselgesang von Chor und Solisten.
Capriccio: wörtlich Einfall: lustiges, schnelles und launenhaftes Stück in freier Form.
die Burlesca hat Bach zuerst Menuet getauft. Er wollte wohl mit der Umbenennung stärker auf den scherzhaften Charakter hinweisen.
Passepied: alter französischer Rundtanz, meist im raschen 3/4- oder 3/8-Takt
Gavotte: südfranzösischer Volkstanz in gemächlichem 2/2 Takt.

Sicherlich sind die Partiten nicht nur die letzte Sammlung an Suiten sondern auch die Reifste und technisch Anspruchsvollste. Bach hat sie unter dem Originaltitel "Clavir Übung - bestehend in Praeludien, Allemanden, Couranten, Sarabanden und Giguen, Menuetten und anderen Galanterien; Denen Liebhabern zur Gemüths Ergoetzung verfertigt von Johann Sebastian Bach" herausgebracht. Klavierübung ist hier allerdings nicht im Sinne einer pädagogischen Literatur zu verstehen, sondern für den Meister des Spiels zur Erbauung. Diese Partiten waren die ersten Werke, die Bach im Druck verlegte. Er war zu der damaligen Zeit schon sehr angesehen, die Suiten waren eine überaus beliebte Gattung, wenngleich Bach sich auch von den ursprünglichen Tänzen ziemlich weit entfernt hatte.

Partita 1  B-Dur BWV 825

Sehr beliebt und auch sehr geeignet zum Einstieg in die Partitenwelt. Feingliedrig und leicht, überschaubar und kürzer als die anderen Partiten ist sie von außerordentlichem musikalischem Reiz.
Das Präludium klar, fein und durchsichtig durchwoben von feiner Ornamentik.
Wichtig ist die gemeinsame Stimmführung der Hauptstimmen rechts und links, die durch Sekunden in die Oktave aufsteigen.  In der rechten Hand ist die Zweistimmigkeit in der rechten Hand nicht ausnotiert, doch war diese verkürzte Notation  zu dieser Zeit üblich und die Musiker führten solch eine Stimme selbstverständlich in ihrer Zweistimmigkeit aus. Die Notation in der gedruckten Form ist einfacher zu lesen und wurde aus diesem Grund gewählt.
Die Allemande fließt leicht und elegant in zweistimmigen Klaviersatz. Leichte Artikulationen, die aber nie im Vordergrund sein dürfen, gliedern den sanften Fluß nahezu unmerklich. Di letzten zwei Takte des ersten Teils sollten wirklich streng vierstimmig empfunden werden und so auch hörbar werden.
In der Courante sehen wir auch eine übliche verkürzte Schreibweise.
Die punktierten Achteln der linken Hand sind den rechten Triolen anzugleichen und sind gleichzeitig mit der rechten Hand auszuführen. Diese Notation wurde lediglich auf Grund der besseren Lesbarkeit gewählt und ist zu dieser Zeit relativ häufig. Der gestalterische Impuls kommt von der linken Hand, der Rhythmus ist scharf und pointiert, die Artikulation quasi non legato, allerdings leicht in 3-er Gruppen gestaltet. Pedal sollte, wenn überhaupt, äußerst sparsam verwendet werden, damit der Charakter frisch und lebendig bleibt.
Die Sarabande ist wie gewöhnlich lyrisch, gesanglich und eher im Legato vorzutragen. Bei den größeren Akkorden ist Arpeggio üblich, wenn auch nicht in jedem Fall empfehlenswert. Eventuell  bieten sich bei den Wiederholungen kleine Varianzen in der Ornamentik und Gestaltung an.
Das Menuett ist arttypisch. Wichtig daher leichter 3-er Rhythmus, wobei der ganztaktige Puls nie verloren gehen sollte. Auch hier bietet sich in der rechten Hand zwingend eine Differenzierung in zwei Stimmen an. Daraus ergibt sich dann auch die Artikulation. Dynamische und charakterliche Unterschiede der Wiederholungsteile bieten sich an. Beim Menuett 2 empfiehlt sich auf jeden Fall eine verzierte und improvisierte Wiederholung der beiden Teile.
Auch bei der Gigue, die sehr flüssig und sehr durchsichtig zu gestalten ist, bietet es sich an 3-stimmig zu denken, obwohl das Stück eigentlich nur 2-stimmig komponiert ist. Die Trennung der Viertel in eine angedeutete Melodie und eine Bassstimme hilft beim "Hörbar machen" dieser sehr schnellen Abläufe.
Leichter fällt diese Art der Interpretation, wenn man die Viertel der linken Hand überlässt.


Partita Nr.2 c-moll  BWV 826

Groß in der Anlage, vergleichbar mit Präludien der englischen Suiten hier die Sinfonia, die zur Dreisätzigkeit geweitet ist.
Im pompösen, festlichen Grave adagio herrschen scharfe Punktierte vor. Oft werden die Akkorde gebrochen, nachfolgende Punktierte mit Vorhalten versehen, aber ich würde die erhabene Schlichtheit bevorzugen.
Fein und klangsinnig zu spielen das ariose Andante. Im Puls der Viertel sollten die Achtel der linken Hand immer schwingen, darüber frei sich entfaltend, die rechte Hand. In diesem feinen Spannungsfeld, subtil artikuliert, mit maßvollem Pedal zur Klangbereicherung unterstützt, entsteht der feine Mittelteil, nicht zu schnell in der Gestaltung. Als dritter Teil kommt ein sehr helles, feines und schnelles zweistimmig fugiertes Allegro.
Die Allemande, eher im Legato-Charakter, fein im allabreve halbtaktig schwingend, kommt mit wenig Pedal aus, das aber aus klanglichen Gründen doch immer dabei sein sollte.
Im Gegensatz dazu kommt die spritzige Courante nahezu ohne Pedal aus und ist in ihrer Wirkung durchaus  non legato anzulegen, im Tempo eher rasch, in der Artikulation sehr durchsichtig. Die in beiden Händen vorkommenden Mehrstimmigkeiten sind in ihrer polyphonen Wirkung durch verschiedene Dynamik und Klangfarbe zu erreichen und deutlich zu gestalten.
Sehr lyrisch und langsam die Sarabande. Bei dieser Sarabande sind die Mehrstimmigkeiten zentrales Gestaltungselement. So müssen z.B. am Beginn in der rechten Hand die aus den Viertelnoten bestehenden Hauptstimmen sehr deutlich herausgearbeitet werden. Klangliche Notwendigkeiten rechtfertigen einen für Bach relativ üppigen Pedalgebrauch, der allerdings nie dazu führen darf, dass mehr Stimmen als notiert zu hören sind.
Technisch sind sicher das Rondeaux und das Capriccio bei weitem am Anspruchsvollsten. Daher TIPP: Am besten beim Studium mit Rondeaux und Capriccio beginnen.
Das Rondeaux ist sehr, sehr schnell und sehr, sehr leicht und überaus durchsichtig, dann kommt seine Wirkung voll zur Geltung.  Trotz des hohen Tempos sollten die Verzierungen brillant bleiben und müssen auch verständlich sein.
Das Capriccio, das an die Stelle der sonst üblichen Gigue tritt, sollte nicht zu schwer sein und das Hauptaugenmerk liegt beim Hörbarmachen der Polyphonie. Die großen Dezimsprünge sollten ihrer Intervallstruktur entsprechend deutlich getrennt sein und wirklich den Eindruck großer Sprünge vermitteln.

 

Foto 1 Instrument                       Foto 2 Instrument                  Foto 3 Instrument