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Klavierspielen ist der Reiz, die Rolle des
Dirigenten und die Rolle der Musiker mit der dazwischenliegenden Spannung zu
fühlen und zu leben.
Einen Spannungsbogen gestalten, eine Phrase wirklich leben, ein wenig
verhalten beginnen, zum Höhepunkt drängen, aber selbst gegen das Drängen
einen Widerstand aufzubauen, damit sich das Vorwärtsgehen wirklich in einem
Bogen bis zum Höhepunkt erstreckt, von dort langsam der Auflösung der
Spannung entgegensehnen, bis die Phrase beendet ist, um zu atmen und die
neue Phrase zu beginnen, immer den großen Bogen im einen Auge und die
Leidenschaft des Augenblicks im Anderen....
Welch eine Aufgabe, mit zehn Fingern Klangfarben wie mit einem Orchester
zu erzeugen. Der Bassstimme eine Farbe und eine Position im Raum, der
Melodiestimme eine Farbe und eine Position ganz vorne auf der Bühne zu geben, nicht
am lautesten, aber tragend den Raum erfüllend, die Mittelstimmen in anderen
Farben, jede ihrer eigenen Logik folgend ....
Möglich ? ja ! Schwierig ? ja !
Der wesentliche Punkt des Klavierspielens ist die klangliche Gestaltung
und die klangliche Kontrolle und die Kontrolle über eine größere Form.
Schwierig deshalb, weil es nur funktioniert, wenn viele Parameter richtig
vernetzt sind. Die Klangkontrolle und Farbe hängen nicht nur von der
Anschlagtechnik und vom Anschlagzeitpunkt, sondern im weiteren Sinne auch
vom Pedal, der Linienführung, der Lautstärke, dem Puls und der Agogik ab.
Diese gleichzeitig im Auge zu behalten und das wenn möglich für jede Stimme
unabhängig ist wie das Jonglieren mit vielen Keulen. Es erfordert große
Willensanstrengung und viel Übung. Darüber hinaus stellt sich eine wirklich
gute Interpretation erst ein, wenn all das sozusagen im Hintergrund passiert
und der Pianist einfach im Fluss seiner Musik bleibt.
All das zu erreichen ist unglaublich schwierig und mühsam und auch den
Besten von uns gelingt es nur zum Teil, aber eines ist es auf jeden Fall -
ein gewaltiges Abenteuer im Kopf. |