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Kammermusik wird nicht ganz zu Unrecht oftmals
als die Königsdisziplin der Musik bezeichnet. Daneben aber steht das große
Abenteuer der Kommunikation in beide Richtungen. Richtung Publikum und
Richtung Kollegen. Eine gemeinsame Vorstellung zu entwickeln, an einer
Interpretation zu arbeiten, bei der jeder genau das spielen kann, was er
fühlt, dennoch genau zusammen mit den Kollegen und mit den Vorstellungen des
Komponisten. Schwierig , aber lohnend.
Das Geheimnis liegt wohl darin, keinen qualitativen Unterschied zwischen
Begleiten und Führen zu machen. Oft ist in der Begleitstimme mehr an
emotionaler Führungskraft notwendig, als beim Interpretieren einer
Hauptstimme. Beim Begleiten muss man ebenso den Spannungsbogen gestalten,
auf und abbauen, ebenso atmen und ebenso eine Vorstellung über die
Hauptstimme haben, als würde man sie spielen. Das erfordert natürlich
perfekte Kenntnis jeder Note der anderen Stimmen.
Natürlich gilt das, was musikalisch für die Zusammenarbeit gilt, auch für
die menschliche Seite. Anfangs ist es oft schwierig, verschiedene
Vorstellungen scheinen unüberbrückbar. Im Konzert dann, wenn alle an einem
Strang ziehen und das Ensemble spielt ganz frei, jeder, so wie er fühlt und
ganz zusammen, scheint es wieder ganz einfach.
Bei der Probenarbeit sollten alle versuchen, die Meinung des anderen
ebenso wichtig zu nehmen wie die eigene. Sollten verschiedene Meinungen sein,
muss man die verschiedenen Möglichkeiten ausprobieren. Dabei ist es entscheidend, bei allen
Varianten, auch bei denen, die einen nicht überzeugen, mit voller
musikalischer Kraft zu gestalten. Leicht passiert es beim Ausprobieren, dass
man nur den Kollegen zeigen möchte, dass diese Variante nicht so gut sei - und so klingt sie dann auch.
In der Praxis nicht vergessen darf man auch die angenehme Seite in der
Kammermusik, dass man mit lieben Freunden reist und lebt und nicht überall
allein arbeitet. Die psychische Belastung des Solistenlebens hat in vielen
durchaus bekannten Fällen die Grenzen einer intakten Gesundheit
überschritten. |